Windows 10 PCs mit ARM-Prozessor - Alle Details & Demo-Video

Roland Quandt am 08.12.2016 04:59 Uhr
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Microsoft hat heute anlässlich der Entwicklerkonferenz WinHEC im chinesischen Shenzhen bekanntgegeben, dass man zusammen mit Qualcomm die Verwendung von klassischen x86-Programmen auf ARM-basierten Prozessoren ermöglichen werde. Inzwischen liegen etwas ausführlichere Details zu dem Thema vor.

Wie die typischerweise vorab informierten US-Medien pünktlich zur Eröffnung der Hardware-Entwicklerkonferenz WinHEC in Shenzhen nach ausführlichen Briefings von Microsoft melden, landet die PC-Version von Windows 10 ab dem nächsten Jahr auf den normalerweise vor allem in mobilen Geräten verwendeten ARM-Prozessoren. Ab der zweiten Jahreshälfte kommen die ersten Geräte, wobei dann zunächst wohl vor allem Laptops mit Qualcomms ARM-Chips und Windows 10 erscheinen dürften.

Windows 10 auf ARM
Windows 10 in der...


Windows 10 auf ARM
...normalen Desktop-Version...


Windows 10 auf ARM
...läuft schon jetzt auf dem Snapdragon 820

Microsofts Windows-Chef Terry Myerson erklärte dazu im offiziellen Blog seines Teams, dass man die sogenannten "Cellular PCs" in Partnerschaft mit Qualcomm entwickelt, um Rechner mit Mobilfunkanbindung, großer Energieeffizienz und dadurch langer Laufzeit sowie flexiblen Designs zu ermöglichen, wie sie von den Kunden immer häufiger gewünscht werden.

Den Firmen aus Redmond und San Diego ist es also gelungen, den Code von Windows 10 in der normalen Desktop-Version per Emulation auf ARM-SoCs nutzbar zu machen, so dass theoretisch das gesamte Windows-Ökosystem in Form einer praktisch unüberschaubaren Zahl von Windows-kompatiblen Programmen nicht mehr nur auf x86-fähigen Prozessoren, sondern auch auf der alternativen Architektur laufen kann.

Erste kommerzielle Geräte mit Snapdragon 835 kommen 2017

Der im Frühjahr 2017 in Smartphones und anderen mobilen Geräten erwartete Qualcomm Snapdragon 835 Octacore-SoC soll die Grundlage für die kommerzielle Einführung von Windows 10 auf ARM-Prozessoren bilden. Schon jetzt zeigt Microsoft allerdings eine lauffähige Version, in dem obenstehenden Demo-Video mit Windows 10 Enterprise in der 64-Bit-Version auf einem, nach der Einführung des Snapdragen 821 nicht mehr ganz taufrischen Snapdragen 820, wobei die gezeigten Anwendungen inklusive der Vollversion von Adobe Photoshop, dem Spiel World Of Tanks: Blitz und anderen anscheinend ohne große Einschränkungen nutzbar sind.

Windows 10 auf ARM
Adobe Photoshop in der Desktop-Version auf einem ARM-Prozessor

Das Video zeigt unter anderem, wie Windows 10 und seine Anwendungen für den Nutzer vollkommen transparent laufen sollen. Man soll also von der Emulation im Hintergrund als Anwender möglichst nichts mitbekommen. Wie gut die Performance der ersten mit Windows 10 ausgerüsteten "Cellular PCs" tatsächlich aussehen wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Windows 10 auf ARM
Laufen ohne weiteres: Video-Player...


Windows 10 auf ARM
...Adobe Photoshop als Vollversion...


Windows 10 auf ARM
...und World Of Tanks: Blitz

Letztlich soll nicht nur Windows 10 auf ARM laufen, sondern eben auch alle traditionellen x86-basierten Win32-Anwendungen und Spiele - Emulation sei Dank. Der Anwender soll praktisch jede Win32-Anwendungen vollkommen ohne Veränderungen installieren können. Der Windows Store oder spezielle Packaging-Methoden sollen dafür nicht nötig sein.

Neue Möglichkeiten beim PC-Design

Microsoft will zusammen mit Qualcomm dafür sorgen, dass die Kunden ab der zweiten Jahreshälfte eine vollkommen neue Art von Windows 10-Systemen erwerben können. Da auch der Snapdragon 835, mit seinen acht auf der zweiten Generation der Qualcomm "Kryo"-Architektur basierenden Rechenkernen, mit Taktraten von bis zu 2,4 Gigahertz auf einen lüfterlosen Betrieb ausgelegt ist, dürften "PCs" ohne eine aktive Kühlung möglich sein.

Windows 10 auf ARM
Auch Microsoft Word...


Windows 10 auf ARM
...und die anderen Office-Apps...


Windows 10 auf ARM
...laufen als Desktop-Version auf ARM

Für die Hersteller ergeben sich dadurch vollkommen neue Möglichkeiten, sind doch zum Beispiel komplette Desktop-Systeme mit einer Dicke auf Smartphone-Niveau möglich. Aktuelle Top-Smartphones sind oft kaum dicker als sieben Millimeter, wobei dann meist auch ein Akku direkt integriert ist. Generell arbeiten die ARM-Chips zudem mit einem im Vergleich zu Intel- oder AMD-CPUs extrem niedrigen Energiebedarf, was vermutliche neue Dimensionen in Sachen Akkulaufzeit von mobilen PCs eröffnet.

Da mit Windows 10 umfangreiche Funktionen zur Bedienung per Stift oder Touch geboten werden, können die Hersteller ihre Systeme auch entsprechend ausstatten. Microsoft selbst dürfte mit Blick auf die Kooperation mit Qualcomm in Sachen Hardware ebenfalls einige Pläne haben, so dass das kommende Jahr sicherlich höchstspannend wird, was Windows-kompatible Hardware angeht. Alle Ankündigungen sprechen bisher jedoch von Laptops, Tablets und 2-in-1-Geräten auf ARM-Basis, nicht aber von Smartphones.

Microsoft bringt Windows 10 nicht nur in der erwähnten Enterprise-Variante auf ARM-SoCs, sondern auch in den normalen Endkundenversionen, so dass man wohl definitiv auch den Verbrauchermarkt im Visier hat, wenn es um Qualcomm-basierte Systeme geht. Wann auch andere ARM-Chiplieferanten entsprechende Lösungen anbieten können, ist derzeit noch vollkommen unklar.

Traditionell unterscheiden sich die diversen ARM-Plattformen deutlich stärker als x86-CPUs, so dass viel mehr Arbeit nötig sein dürfte, um ihre Kompatibilität zu gewährleisten. Qualcomm rüstet seine Snapdragon-SoCs offensichtlich schon länger mit entsprechender Hardware-Unterstützung zur Emulation aus.

Mit der Einführung der stark auf den mobilen Betrieb ausgerichteten Windows 10-basierten ARM-PCs soll Microsofts Betriebssystem auch erheblich mobiler werden. Dazu integriert man unter anderem die Unterstützung für eSIMs und will natürlich auch die in den Qualcomm-SoCs normalerweise ab Werk ohnehin enthaltenen Mobilfunkmodems nutzen - LTE-Support mit Höchstgeschwindigkeit ist künftig also praktisch Standard.
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