Bundestags-Hacker versenden Email im Namen von Angela Merkel

Nadine Juliana Dressler am 14.06.2015 11:54 Uhr
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Die Bild am Sonntag hat neue Erkenntnisse rund um den anhaltenden Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag veröffentlicht. In der heutigen Ausgabe wird dabei berichtet, wie weit die Hacker schon gekommen sind. Laut den neusten Informationen konnten die noch immer unbekannten Angreifer einen PC in dem Büro der Kanzlerin infizieren.

Demnach wurde das Kanzlerinnen-Büro infiltriert und als Versender eines Trojaners genutzt. Von einem Computer aus dem Bundestagsbüro von Angela Merkel sollen laut dem Bericht der Printausgabe Bild am Sonntag (via Stern) dann manipulierte Emails an Bundestagsabgeordnete verschickt worden sein. Die Mail soll im Betreff eine Einladung zu einer Pressekonferenz enthalten und den Absender des Merkel-Büros tragen. Die Email an sich soll unauffällig gestaltet sein, sodass sie zunächst als echte Einladung von Merkel durchgehen könnte. In einem Link soll sich dann aber die Schadsoftware verstecken.

Quelle: Kanzlerinnen-Büro

Die Informationen der Bild stammen demnach direkt von Insidern des Bundestags. Dort soll vor Emails mit der Absenderkennung von Angela Merkel und ihres Büros ausdrücklich gewarnt worden sein. Am Freitagnachmittag hätte man bereits 15 Computer gefunden, auf der der fragliche Trojaner aus der Quelle des Kanzlerinnen-Büros nachgewiesen werden konnte. Bei fünf dieser Rechner soll es zum bereits in den Medien viel zitierten "Datenabfluss" gekommen sein. Mit dem neuen Bericht der Bild könnte nun klarer sein, dass der Angriff direkt auf die Schaltzentrale der wichtigsten Politiker und Minister Deutschlands gerichtet ist und nicht ein ungezielter Angriff auf das Intranet.

Siehe auch: Angriff nicht abwehrbar: IT des Bundestages vor Komplett-Austausch

Wie viele Rechner die manipulierte Mail erhalten haben, ist unklar, ebenfalls, ob die Ausbreitung zu dem jüngsten Hacker-Skandal für den Bundestag im Büro von Kanzlerin Merkel ihren Ursprung hatte oder nicht. Zumindest ist es möglich, dass ausgerechnet der Zugriff auf den Rechner in Merkles direktem Umfeld erst die große Chance zum Einsehen der Daten aus dem Intranet für die Hacker ermöglichte. Ein Regierungssprecher wollte sich laut dem Bericht der Bild am Sonntag dazu nicht genau äußern: "Ich kann das weder bestätigen noch dementieren."

Bestätigt wurde mittlerweile aber, welche Politiker nach den derzeitigen Erkenntnissen schon einmal den Trojaner über die Merkel-Mail erhalten haben. SPD-MdB Martin Burkert erklärte gegenüber der Bild, dass der Trojaner bei ihm nachgewiesen wurde. Laut Bild wurde die Schadsoftware zudem beim Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) und bei Inge Höger von den Linken gefunden. Der Hackerangriff hält bereits seit Mai an.

Siehe auch: Unbekannte attackieren das interne Datennetz des Bundestags
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