Provider: 4 Mbit/s ist ausreichendes Minimum für "Breitband"

Christian Kahle am 09.09.2014 14:28 Uhr
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Dass die großen Netzbetreiber sich dem Aufbau einer ordentlichen Breitband-Infrastruktur beharrlich verweigern, ist bei weitem kein deutsches Phänomen. In den USA wehren sie sich derzeit gegen eine geplante Neudefinition des Begriffes Breitband an sich.

Hintergrund ist ein Vorhaben der obersten Telekommunikationsbehörde FCC, einen Breitband-Anschluss so zu definieren, dass er es im Downstream mindestens auf 10 Megabit pro Sekunde bringt, berichtete das Magazin Ars Technica. Die letzte Änderung stammt noch aus dem Jahr 2010, als die FCC das Minimum von 200 Kilobit pro Sekunde auf 4 Megabit pro Sekunde hochsetzte. Der aktuelle Wert gilt dabei in Verbindung von mindestens einem Megabit im Upstream.

Eine Hochstufung hätte im Grunde keine direkten Folgen - abgesehen vom Marketing-Effekt. Denn der Wert wird herangezogen, wenn die Behörde ihre Statistik darüber erarbeitet, wie viele Haushalte in den USA mit Breitband versorgt werden können. Eine Änderung der Definition dürfte vor allem im ländlichen Raum dafür sorgen, dass sich die großen Provider nicht mehr damit schmücken könnten, weitgehend flächendeckend schnelles Internet anzubieten.

Branchenprimus AT&T erklärte daher in einer Stellungnahme, dass es schlicht keine Notwendigkeit für eine Änderung gebe. "Das Verhalten der Verbraucher zwingt zu dem Schluss, dass ein 10-Megabit-Service die Bedürfnisse der Amerikaner hinsichtlich einer grundlegenden, hochwertigen Übertragung übersteigt", heißt es in dem Papier.

Auch die TV-Kabelnetzbetreiber schreiben gegen die Änderung an. Demnach erfülle eine 4-Megabit-Anbindung immer noch die grundlegenden Anforderungen für die Übertragung von Sprache, Videos und Daten in hoher Qualität, wie sie im Telekommunikationsgesetz für einen Breitband-Anschluss gefordert würden.

Bei der FCC ist man hingegen der Ansicht, dass der bisherige Wert nicht mehr hilfreich ist, den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden. Denn dieser ist schlicht nicht dazu da, dass die Netzbetreiber sich über hohe Abdeckungswerte freuen und darauf ausruhen können. Vielmehr repräsentiere er das Minimum des Notwendigen, um die aktuellen Online-Services problemlos nutzen zu können und auch Anreize für Weiterentwicklungen zu setzen.
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