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Google löscht Daten, die heimlich via "Inkognito" gesammelt wurden

Es ist schon lange bekannt, dass der Inkognito-Modus von Google Chrome diesen Namen kaum verdient, weil man damit alles andere als "unerkannt" durchs Web surft. Mehr als das: Google hat hier ohne das Wissen der Nutzer Daten gesammelt, wird diese aber nun löschen.
02.04.2024  12:40 Uhr

"Datenkrake" Google

Die Datensammelwut Googles ist seit den Anfangstagen des Suchmaschinenriesen ein großes Thema und ist das auch heute noch: Denn das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View verdient einen Großteil seines Geldes mit Werbung. Dabei ist die Werbung mehr wert, wenn sie auf die Nutzer maßgeschneidert ist - und Google versucht hier natürlich alles, um die Grenzen der Privatsphäre auszuloten bzw. zu strecken. Das ist auch der Inhalt einer Klage aus dem Jahr 2020. In dieser werfen mehrere Personen Google vor, irreführende Statements zum Thema Privatsphäre gemacht zu haben, und zwar genauer gesagt im Rahmen des Inkognito-Modus seines Browsers Chrome. Wie The Register berichtet, werfen die Kläger dem Suchmaschinenriesen vor, dass dessen Datenschutzrichtlinien behauptet hätten, dass die Nutzer die Informationen kontrollierten, die Google sammelt. Im Inkognito-Modus habe man aber nicht die versprochene bzw. implizierte Privatsphäre geboten, so der Vorwurf.

In der Klageschrift heißt es dazu: "Trotz der Behauptung, dass die Nutzer die Kontrolle darüber haben, welche Informationen Google verfolgt und sammelt, sind die verschiedenen Tracking-Tools von Google, einschließlich Google Analytics und Google Ad Manager, tatsächlich so konzipiert, dass sie die Nutzer automatisch verfolgen, wenn sie Webseiten besuchen. Das gilt selbst dann, wenn ein Nutzer im 'privaten Browsing-Modus' surft."


Mittlerweile ist hinlänglich bekannt, dass Inkognito diesen Namen kaum bzw. nicht verdient. Google hat versucht, das Gericht zum Abweisen der Klage zu bringen, war damit aber nicht erfolgreich. Daraufhin wählte der Konzern das kleinste Übel, nämlich eine außergerichtliche Einigung.

In deren Rahmen muss Google u. a. auf dem Startbildschirm darauf hinweisen, dass Daten erfasst werden. Der Suchmaschinenriese hat außerdem zugestimmt, "Milliarden von Datensätzen zu löschen und/oder zu berichtigen, die die privaten Browsing-Aktivitäten der Sammelkläger widerspiegeln". Zuvor hat Google mitgeteilt, dass es gar nicht möglich sei, derartige Daten zu identifizieren, weshalb eine Löschung auch nicht durchführbar oder sinnvoll sei.

Nun ist das aber doch möglich, auch wenn der Konzern die Löschung und auch die eigene Kehrtwende herunterspielt: "Wir freuen uns, dass wir diesen Rechtsstreit, den wir immer für unbegründet hielten, beilegen konnten. Ursprünglich wollten die Kläger fünf Milliarden Dollar, jetzt bekommen sie null. Wir verknüpfen niemals Daten mit Nutzern, wenn sie den Inkognito-Modus verwenden. Wir sind gerne bereit, alte technische Daten zu löschen, die ohnehin nie mit einer Person in Verbindung gebracht und nie für irgendeine Form der Personalisierung verwendet wurden."

Zusammenfassung
  • Inkognito-Modus von Chrome bietet keine echte Anonymität
  • Google sammelte unbemerkt Daten im Inkognito-Modus
  • Klage von 2020 beschuldigt Google irreführender Privatsphäre-Aussagen
  • Tracking-Tools erfassen Nutzerdaten auch im privaten Modus
  • Google lehnt Klageabweisung ab und einigt sich außergerichtlich
  • Google muss auf Datenerfassung hinweisen und Daten löschen
  • Google spielt Datenlöschung trotz vorheriger Ablehnung herunter
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