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Fiido C11 im Test:
Günstiges E-Bike für die Stadt - viel Rad für 899 Euro

Das Fiido C11 ist eines der günstigen E-Bikes auf dem Markt, kommt es dieser Tage doch für vergleichsweise günstige 899 Euro auch nach Deutschland. Das Elektrofahrrad mit starkem Antrieb haben wir uns einmal näher angesehen.
01.04.2024  10:21 Uhr

Das Fiido C11 sieht gut aus, fährt gut, aber...

Die chinesische Marke Fiido ist inzwischen durchaus nicht mehr unbekannt, verkauft man doch mittlerweile seit Jahren recht erfolgreich vor allem günstige Fahrräder mit Elektroantrieb. Mittlerweile bietet Fiido immer häufiger auch Räder, die einen eher traditionellen Formfaktor haben, so auch das Fiido C11.

...hält sich nicht an deutsche Regeln

Das Fiido C11 ist im Grunde ein "normales Damenrad", das Fiido mit allerhand Technik bestückt, die in Deutschland nach aktuellem Stand leider nicht die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung erfüllt. Mit seinem 500-Watt-Motor und der mittels eines Zahlencodes auf bis zu 45 km/h zu erhöhenden Höchstgeschwindigkeit mit Antrieb überschreitet das C11 die Vorgaben deutscher Behörden leider um Längen.

Nach aktuellem Stand sind es nicht nur die Hupe und der zu starke Antrieb, der das C11 hierzulande ins Visier der Behörden rücken könnten. Auch der fehlende Reflektor hinten wäre nachzurüsten. Außerdem mangelt es den Lampen an den nötigen Prüfzeichen. Hinzu kommt, dass Fiido keine normale Klingel anbringt. was sich aber mit einem Kurzbesuch im Pfennigladen für unter einem Euro beheben lässt.

Fiido C11
Gashebel? Lässt sich theoretisch entfernen

Auch den "Gashebel" am Lenker darf man in Deutschland eigentlich nicht bieten, erlaubt er doch auf Wunsch auch ein Fahren ohne Treten. Eine Betriebserlaubnis bietet Fiido nach aktuellem Stand leider nicht, auch wenn das Unternehmen uns gegenüber beteuerte, dass man daran arbeitet, die rechtlichen Vorgaben hierzulande bald zu berücksichtigen und zumindest theoretisch die Einhaltung ermöglichen will.

Ein bisschen Montage ist noch nötig

Hat man die nötige Skepsis überwunden und sich ein Fiido C11 zugelegt, bekommt man, wie heute aufgrund der diversen Möglichkeiten zum Online-Kauf von Fahrrädern inzwischen durchaus üblich, einen 31,5 Kilogramm schweren Karton zugestellt. Darin steckt das C11 praktisch zu 95 Prozent vormontiert, so dass man nur noch den Lenker, die vordere Lampe und die Pedalen sowie die Streben für die Befestigung der Schutzbleche anbringen muss.

Lieferzustand des Fiido C11

Das Rad steckt gut verpackt mit reichlich Schaumstoffpolstern und vielen Kabelbindern "gebündelt" in seinem Karton, der den langen Weg aus China offenbar problemlos übersteht. Der Zusammenbau des Rads gelingt selbst Laien eigentlich problemlos, wobei die von Fiido beigefügte Anleitung und das netterweise vollständige und erstaunlich gut nutzbare mitgelieferte Werkzeug sehr dabei helfen. Zusätzliches Werkzeug wird eigentlich nicht benötigt.

Vorsicht bei der Schutzblechmontage

Beim Zusammenbau fallen leider erste kleinere Qualitätsprobleme auf. So war die obere Halterung des hinten Schutzblechs nicht gerade befestigt. Generell ist die Befestigung der Schutzbleche mit den hinten bereits vormontierten Streben sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, zumal man den Winkel und die Position am Schutzblech selbst bestimmen muss.

Dass man dabei nur eine Chance hat, sollte unbedingt bedacht werden, denn die kleinen Treibschrauben bohren sich erbarmungslos an der gewählten Stelle durch den Kunststoff des eigentlichen Schutzblechs. Eine spätere Justierung ist eigentlich unmöglich, wenn man nicht damit leben will, dass bei Änderung der Halterposition ein kleines Loch im Schutzblech sichtbar wird.

Fiido C11
Montage- & Bedienungsanleitung, Schutzblechhalter...


Fiido C11
...und gutes Bordwerkzeug für einfachen Zusammenbau

Von kurzen Schrauben, die nicht ziehen wollen

In unserem Fall war die Montage der Streben des vorderen Schutzblechs nur auf einer Seite problemlos möglich. Auf der anderen Seite ist die Bohrung für die Strebe am unteren Ende der Federgabel bedauerlicherweise etwas zu groß geraten, wodurch die mitgelieferte kurze Inbusschraube schon beim ersten Versuch nicht mehr griff. Das Material der Federgabel ist ohnehin im Bereich der Halterungen so "weich", dass die Schrauben selbst bei vorsichtigem Anziehen gern schon durchdrehen.

Sind diese Hürden überwunden und alle Stecker verbunden sowie das Vorderrad eingesetzt und befestigt, empfiehlt sich generell noch einmal ein schneller Durchgang, bei dem alle sichtbaren Schraubverbindungen auf ihre Festigkeit zu prüfen sind. Schließlich sind wir später mit offiziell 25 km/h elektrisch unterstützter Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Dass dies nötig ist, fiel uns auf, als wir merkten, dass die Schrauben des Klappständers nur "handfest" angezogen waren.

Hier und da hapert es

Guter erster Eindruck, auch ohne große Markennamen

Insgesamt macht das Fiido C11 nach der ersten Montage einen durchaus wertigen Eindruck, scheinen alle Einstellungen schon ab Werk doch recht gut vorjustiert worden zu sein. Einzig die Schaltung an der Hinterachse könnte vielleicht noch eine erneute Feinabstimmung vertragen. Auch die Schweißnähte des in Weiß und Grün verfügbaren Rahmens sehen auf den ersten Blick sauber und gut verarbeitet aus. Nichts wackelt sonderlich, die meisten Teile wirken durchaus wertig, so dass der günstige Preis wenn überhaupt erst auf den zweiten Blick erkennbar ist.

Fiido C11: Markennamen braucht man nicht

Auffällig ist nämlich, dass hier und da ein uns unbekannter Markenname prangt, wobei eigentlich nur der Umwerfer am Hinterrad aus der Tourney-Serie von Shimano wirklich auffällig beschriftet ist. Die Kassette und alle anderen Komponenten dürften hingegen Fiidos chinesischem Bedarfsbaukasten entstammen, weshalb sich kaum eine sinnvolle Aussage über die Qualität treffen lässt. Das C11 kommt gut geölt und gefettet zum Kunden.

Fiido C11
Fiido C11

Gut ablesbares Display, Anschub mit Kraft & Bedenkzeit

Nimmt der Kunde das Fiido C11 zum ersten Mal in Betrieb, wird man nach dem Einschalten des kleinen LCDs neben dem linken Lenkergriff von einem simplen Menü begrüßt. Über die Tasten lassen sich durch längeres Drücken die verschiedenen Unterstützungsstärken auswählen. Man hat die Wahl zwischen Eco, Normal, Turbo und Turbo Plus. Das Display zeigt alle Inhalte auch im hellen Sonnenlicht gut ablesbar an. Bei Bedarf lässt sich durch doppeltes Drücken der Menütaste auch die Beleuchtung anschalten - einen physischen Schalter dafür gibt es nicht.

Tritt man dann in die Pedalen, greift der Elektromotor an der Hinterachse nicht sofort ein, sondern wartet erst die Werte des an der Kurbel angebrachten Drehmomentsensors ab, bevor er eine angepasste Unterstützung liefert. Dies kann bei der Fahrt etwas störend wirken, da gerade beim Losfahren eine Unterstützung zu begrüßen wäre. Apropos Unterstützung: die "Anfahrhilfe" (also der "Gashebel") des Fiido C11 ist nicht auf die in Deutschland höchstens zulässigen sechs km/h begrenzt.

Fiido C11
Fiido C11: Das Display kann sich sehen lassen

Kein Problem mit Steigungen und Übergewicht

Generell schiebt der starke Motor natürlich hervorragend an, schließlich hat er mehr als genug Power, um auch übergewichtige Menschen recht problemlos eine Anhöhe oder Berge hinauf zu bringen. Im Normalfall ist dabei auch wie vorgeschrieben bei 25 km/h Schluss, wobei der Hersteller ausdrücklich auch davon spricht, dasss eine Umgehung der Geschwindigkeitsbegrenzung mittels der Eingabe eines Codes möglich ist. Allerdings verrät man diesen Code scheinbar nicht einfach so.

Das Betriebsgeräusch des Motors ist überraschend laut und erinnert an jene Antriebe, die man im Stadtverkehr vielleicht schon einmal von elektrisch angetriebenen Lieferfahrrädern kennt. Zum Vergleich: der Bosch-Motor eines NIU N1S Elektrorollers vom Sharing-Anbieter ist etwas leiser. Dennoch wirkt der Antrieb nie störend und eigentlich sorgt es auch für etwas Sicherheit, dass er hörbar ist, da man so immer weiß, wann der Antrieb eingreift.

Real gut 60 Kilometer Reichweite

Die Reichweite des Fiido C11 wird mit dem 500-Wattstunden-Akku mit bis zu 90 Kilometern angegeben, wobei der Hersteller für die Verwendung des Eco-Modus sogar bis zu 130 Kilometer bewirbt. Natürlich wird im Alltag nie eine solch gigantische Reichweite erzielt. Realistischer waren in unserem Test je nach gewählter Unterstützungsstufe des E-Antriebs zwischen 50 und 65 Kilometer.

Dies dürfte ausreichen, um zum Beispiel in Berlin vom Nordosten in den Südwesten der Stadt und wieder zurück zu gelangen, ohne sich Sorgen über eine gegen Ende der Fahrt ausgehende Trethilfe machen zu müssen. Als kleine Orientierungshilfe: die Tester des Fiido C11 waren in unserem Fall jeweils knapp 70 bzw. gut 120 Kilogramm schwer, wobei die Reichweite jeweils um rund zehn Kilometer auf der gleichen Strecke schwankte. Gern liefern wir in den nächsten Wochen noch weitere Erfahrungen zur Reichweite nach.

Fiido C11
Der Akku kann eingebaut oder extern geladen werden

Fünf Stunden Ladezeit, im Rad oder extern

Ist der Akku des Fiido C11 Elektrorads einmal leer, muss man ihn mit dem mitgelieferten, proprietären Netzteil in einer möglichst trockenen Umgebung laden. Dazu lässt sich der Akku auf Wunsch aus dem Rahmen des Fahrrads mit Hilfe eines simplen Schlüssels entnehmen. Das Laden kann aber auch direkt im Rad erfolgen.

Dabei ist zu bedenken, dass das Netzteil mit seinem aktiven Lüfter keineswegs Feuchtigkeit ausgesetzt werden darf. Der Lüfter ist immer aktiv und arbeitet mit einer gerade noch erträglichen Lautstärke, obwohl das Netzteil bei normaler Zimmertemperatur eigentlich nie sonderlich warm wurde. Es dauert gut fünf Stunden, bis der Akku des C11 voll geladen ist.

Ist der Akku des Fiido C11 während der Fahrt entleert worden, lässt sich das Rad übrigens meist noch mit normaler Pedalkraft bewegen, da es mit rund 24 Kilogramm für die meisten Nutzer noch ausreichend leicht ist. Wer stets genug "Saft" zur Verfügung haben will, kann für knapp 270 Euro einen Ersatz- bzw. Zusatzakku für das C11 beim Hersteller erwerben.

Guter Fahrkomfort dank guter Geometrie

Was Sitzposition und Fahrkomfort angeht, so ist das Fiido C11 gut einstellbar und komfortabel. Die Sitzhöhe lässt sich mit einer handelsüblichen und somit auch leicht austauschbaren Sattelstütze und deren Schnellverschluss einfach anpassen.

Fiido C11
Komfortabel auch auf schlechten Wegen: einstellbare Federgabel des C11

Der Sattel ist das zweite Markenbauteil an diesem Elektrorad, stammt von der Firma Velo und bietet bei richtiger Positionierung guten Fahrkomfort und Halt. Da Fiido hier, anders als bei einigen seiner anderen E-Bikes, auf Teile mit Standard-Maßen setzt, lässt sich bei Bedarf auch ohne weiteres eine alternative Sattelstütze montieren.

Auch die Sitzposition und alle Winkel sind beim Fiido C11 durch die scheinbar mit Bedacht recht universell gewählte Geometrie für Menschen verschiedener Körpergröße recht komfortabel ausgelegt. Wer kleiner als 1,70 Meter ist, muss aber bedenken, dass das C11 relativ groß gebaut ist und einiges Gewicht auf die Waage bringt. Man sollte also darauf vorbereitet sein, dass man einige Kraft braucht, um den Alu-Esel zu bewegen.

Fiido C11
Fidoo spart nicht bei den Reifen, verbaut CST

Feststellbare Federgabel

Auch der Lenker lässt sich hier übrigens mit einem der mitgelieferten Werkzeuge einfach und schnell in die passende Position bringen. Generell fährt sich das Rad in einer städtischen Umgebung oder auf befestigten Strecken über Land stehts komfortabel. Die markenlose Vorderradgabel lässt sich mittels eines einfachen Drehrads dem Gewicht bzw. Komfortwunsch des Fahrenden anpassen, kann aber auch einfach "abgeschaltet werden".

Begrüßenswert ist übrigens auch, dass Fiido trotz des vergleichsweise niedrigen Preises von nur 899 Euro beim C11 nicht an der Bereifung spart. So kommen spezielle E-Bike-Reifen des niederländischen Herstellers CST vom Typ Platinum E L5 zum Einsatz, die für höhere Geschwindigkeiten und Gewichte zertifiziert sind und im regulären Handel hierzulande um die 25 Euro kosten.

Fazit

Das Fiido C11 ist insgesamt ein beeindruckend gutes Fahrrad mit Elektroantrieb, das viel Komfort, Kraft und Reichweite zu einem günstigen Preis bietet. Leider hält sich Fiido nicht an die für deutsche Behörden so wichtigen Regelungen, wodurch das Rad eigentlich nicht legal auf hiesigen Straßen zu bewegen ist.

Die Qualität ist besser, als man zu dem niedrigen Preis von 899 Euro erwarten würde. Es gibt aber einige klare Schwächen, gerade was den schwarzen Lack oder die Materialqualität bzw. die Bohrungen an der Gabel betrifft - beides hält wohl nicht sonderlich lang. Immerhin kann man viele Teile auch wegen der guten Ersatzteilversorgung des Herstellers problemlos tauschen, falls ein Defekt auftreten sollte.

In Sachen Komfort und Vortrieb muss sich das Fiido C11 nicht vor den Produkten westlicher Hersteller verstecken. Auch das gute Display und die einfache Bedienbarkeit, sowie das von Anfang an vermittelte Gefühl einer gewissen Sicherheit machen die Nutzung des C11 sehr angenehm.

Für alle Kunden außerhalb Deutschlands git es von uns daher durchaus eine Kaufempfehlung, je nachdem, wie dort die Gesetze aussehen. Hierzulande bleibt zu hoffen, dass man unter dem Radar bleiben kann oder Fiido möglichst rasch die für einen legalen Betrieb nötigen Nachbesserungen vornimmt.

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Zusammenfassung
  • Fiido C11 E-Bike für 899 Euro auch in Deutschland erhältlich
  • Chinesische Marke Fiido bekannt für günstige E-Bikes
  • C11 mit 500-Watt-Motor; Geschwindigkeit bis 45 km/h
  • Nicht konform mit deutschen Straßenverkehrsregeln
  • E-Bike zu 95 Prozent vormontiert, einfacher Zusammenbau
  • Qualitätsprobleme bei Montage und Material festgestellt
  • Einstellbare Unterstützungsstufen und gut ablesbares Display
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