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Kernfusion: JET stellt mit 0,2 Milligramm Brennstoff neuen Rekord auf

An der Kernfusions-Forschungsanlage Joint European Torus (JET) konnte ein neuer Meilenstein erreicht werden. Mit 0,2 Milligramm Fusions­ma­te­ri­al wurde so viel Energie erzeugt, die man sonst nur aus der Verbrennung von 2 Kilogramm Kohle bekommt.
09.02.2024  16:29 Uhr

69 Megajoule

Ein Team in der JET-Anlage in der Nähe von Oxford in Mittelengland erzeugte in einem fünf Sekunden dauernden Fusionsprozess 69 Megajoule und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022 um 10 Megajoule, teilte die britische Atomenergiebehörde (UKAEA) mit. Das genügt zwar gerade einmal, um einzelne Geräte für einige Stunden mit Strom zu versorgen, wichtig sind hier aber letztlich die wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse. "JET wurde so nah an den Bedingungen eines Kraftwerks betrieben, wie es mit den heutigen Anlagen möglich ist, und sein Erbe wird in allen zukünftigen Kraftwerken allgegenwärtig sein", erklärte Ian Chapman, Chef der UKAEA, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Die Forschungsergebnisse JETs sind nicht nur für ITER von entscheidender Bedeutung - ein Megaprojekt der Fusionsforschung, das in Südfrankreich gebaut wird - sondern auch für andere globale Fusionsprojekte, die eine Zukunft mit sicherer, kohlenstoffarmer und nachhaltiger Energie anstreben."

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Die JET-Anlage besteht aus einem Kernfusionssystem des Typs Tokamak. In ihm wurden jeweils 0,1 Milligramm Deuterium und Tritium - beides Wasserstoffisotope - auf Temperaturen erhitzt, die zehnmal heißer waren als das Zentrum der Sonne. Auf diese Weise wird ein Plasma erzeugt, in dem sich die Atomkerne schnell genug bewegen, um bei einem zufälligen Aufeinandertreffen nicht voneinander abgestoßen zu werden. Stattdessen verschmelzen sie zu einem schwereren Element und setzen dabei große Mengen Energie frei.

Es dauert noch

Das Prinzip ist im Grunde relativ einfach. Die große Schwierigkeit besteht darin, dass es keine Materialien gibt, die eine Berührung mit dem heißen Plasma aushalten würden. Daher muss dieses stetig in einem Magnetfeld gefangen gehalten werden.

Wie im Grunde alle Fusionsanlagen ist JET ein reines Forschungssystem, dass nicht dafür vorgesehen ist, irgendwann kommerziell Strom zu erzeugen. Die aktuellen Fortschritte sind zwar wichtige Entwicklungen in dem Bereich, allerdings gehen Experten davon aus, dass, selbst wenn es keine nennenswerten Rückschläge mehr gibt, die ersten Fusionskraftwerke irgendwann in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Realität werden könnten. Damit kommen sie auf jeden Fall zu spät, um eine Rolle bei der Dekarbonisierung der Energieversorgung zu spielen.

Zusammenfassung
  • Neuer Meilenstein in Kernfusionsforschung erreicht
  • JET-Anlage erzeugte 69 Megajoule Energie
  • Fusionsmaterial entspricht 2 Kilogramm Kohle
  • JET-Team in Mittelengland stellt Rekord auf
  • Fusionsforschung wichtig für zukünftige Kraftwerke
  • Tokamak-System erzeugt Plasma bei Sonnentemperaturen
  • Fusionsanlagen aktuell nur für Forschungszwecke
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