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Kaum Zinsen aufs Tagesgeld: Sparkassen & Volksbanken in der Kritik

Die Zinsen aufs Tagesgeld steigen. Vor allem bundesweit aktive, private Banken bieten aktuell bis zu 4 Prozent. Doch die Spar­kas­sen und Volks­banken gelten einer neuen Analyse zufolge wei­ter­hin als "Tagesgeld- und Zinsverweigerer" - mit den dazu pas­sen­den Ausreden.
26.01.2024  11:45 Uhr

Private und Onlinebanken geben mehr Zinsen

Wie das Vergleichsportal Verivox im Auftrag des Handelsblatts berichtet, reichen eine Vielzahl an Sparkassen und Volks­banken die seit anderthalb Jahren anhaltenden Zinsanhebungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht an ihre Tagesgeldkunden weiter. Gleichzeitig liegen die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser beim Festgeld teilweise deutlich hinter der privaten Konkurrenz. Im Durchschnitt sollen die Tagesgeldzinsen bei Volksbanken und Sparkassen bei lediglich 0,59 Prozent respektive 0,6 Prozent liegen. Beim Festgeld werden durchschnittlich 2,4 Prozent bzw. 2,3 Prozent ermittelt, wo bundesweit aktive Banken bei zwölfmonatiger Anlage im Schnitt 3,3 Prozent Zinsen anbieten.

Interessante Tagesgeldangebote:
Hinweis: Bei einigen Banken gilt die hohe Verzinsung von Tagesgeld nur innerhalb eines Aktionszeitraums zwischen drei und sechs Monaten. Nahezu alle Konten können dafür aber auch kostenlos geführt werden.

Einlagen sinken, der Ruf ist geschädigt

Die kaum vorhandene Zinsweitergabe hat sich dabei negativ auf die Einlagen ausgewirkt, die erstmals seit dem Jahr 2000 sinken - laut Analysten von Price­water­house­Coopers (PwC) bei Volksbanken um 0,8 Prozent auf 855 Milliarden Euro, bei Sparkassen um 1,7 Prozent auf 1,17 Billionen Euro. Private Banken konnten dahin gehend profitieren und ihre Einlagen um sechs Prozent auf 1,9 Billionen Euro steigern.

Bargeldnutzung bleibt stabil, Mobile Payment nimmt zu
Infografik: Bargeldnutzung bleibt stabil, Mobile Payment nimmt zu

Der Lobbyverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) gibt die "an­spruchs­vol­le Arbeit" der Banken als Grund an, die mit der Diskrepanz zwischen täglich fäl­li­gen Einlagen und langjährigen Krediten, etwa Baufinanzierungen einhergehen. "Wir haben von Anfang an die Kundschaft auf mittelfristige Anlageformen aufmerksam gemacht, weil man sich attraktive Zinsen längerfristig sichert", sagt hingegen der Deutsche Sparkassen- und Giroverband.

Dass die geringe Verzinsung schleichend ihre Spuren hinterlässt, erkennt auch Sparkassenpräsident Ulrich Reuter: "Unsere Marke, unser guter Ruf schützen uns vor manchen Verwerfungen. Aber die ökonomisch begründete Zurückhaltung bei der Verzinsung von Einlagebeständen hat uns im Marktvertrauen belastet."

Über alle drei Bankengruppen hinweg (Sparkassen, Volksbanken, Private) sehen die PwC-Analysten allerdings einen Rückgang der täglich fälligen Einlagen. Mehr als 196 Milliarden Euro zogen Privatanleger von ihren Girokonten ab, um 65 Milliarden auf Tagesgeldkonten und den größten Anteil in Fest­geld­ein­la­gen zu parken. Sparkassen und Volksbanken waren dabei besonders betroffen.

Vergleich: Die besten Tagesgeldkonten 2024

Zusammenfassung
  • Zinsen auf Tagegeld bei privaten Banken bis zu 4 Prozent
  • Sparkassen und Volksbanken als Zinsverweigerer tituliert
  • Öffentlich-rechtliche Banken geben EZB-Zinsanhebungen kaum weiter
  • Durchschnittszinsen bei Sparkassen/Volksbanken unter 1 Prozent
  • Einlagen bei Volksbanken und Sparkassen rückläufig
  • Private Banken steigern Einlagen um sechs Prozent
  • BVR und Sparkassenverband verteidigen Anlagestrategie
  • Rückgang täglich fälliger Einlagen aller Bankengruppen



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