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Antisemitismus:
IBM stoppt Werbung auf Twitter/X - Apple macht weiter

Auf Twitter/X können antisemitische Inhalte nicht nur ohne größere Probleme gepostet werden - der Besitzer der Plattform trägt sogar selbst zu ihrer Verbreitung bei. Ein großer IT-Konzern zieht deshalb seine Werbung ab - andere finanzieren den Dienst aber weiter.
17.11.2023  10:41 Uhr

Null Toleranz

IBM hat sämtliche Werbeaktivitäten auf Twitter gestoppt. Das Unternehmen reagiert damit auf einen Bericht, der Anzeigen des Unternehmens neben antisemitischen Inhalten zeigte. "IBM hat null Toleranz für Hassreden und Diskriminierung und wir haben sofort alle Werbung auf X ausgesetzt, während wir diese völlig inakzeptable Situation untersuchen", so ein IBM-Sprecher gegenüber dem US-Sender CNBC. Konkret ging es um eine Reklame für IBMs KI-Dienst Watson. Auf Screenshots, die das Medienmagazin Media Matters for America veröffentlichte, war diese unter anderem neben Tweets zu sehen, die Hitler und seine Nazi-Partei priesen. Vergleichbare Bilder gab es auch mit Anzeigen von Apple, Oracle und anderen Tech-Unternehmen.


Ein Sprecher Twitters warf Media Matters vor, gezielt Stimmung gegen die Plattform zu machen. "Gruppen wie Media Matters suchen aggressiv nach Beiträgen auf X und gehen dann zu den Konten, und wenn sie eine Anzeige sehen, drücken sie immer wieder auf Aktualisieren, um so viele Marken wie möglich zu erfassen", hieß es. Das Werbesystem von X "platziert nicht absichtlich eine Marke aktiv neben dieser Art von Inhalten". Die Accounts, die entsprechende Inhalte verbreiten, seien auch nicht mehr monetarisierbar.

Allerdings sind der Verbreitung solchen Contents auch kaum noch Grenzen gesetzt - im Gegenteil. Die Moderation wird immer weiter zurückgefahren. Offizielle Vertreter betonen immer wieder, dass Hassinhalte keinen Platz auf der Plattform hätten, wenn es darum geht, Werbekunden nicht zu verschrecken. Die Realität sieht für den Nutzer allerdings anders aus.

Musk fördert Hass

Immer wieder fällt selbst der Plattform-Eigner Elon Musk damit auf, entsprechenden Content selbst zu verbreiten oder zu fördern. Jüngstes Beispiel ist ein Beitrag, in dem behauptet wird, jüdische Gemeinden würden Hass gegen Weiße schüren und Horden von Minderheiten würden westliche Länder überschwemmen. Musks Antwort darauf: "Sie haben faktisch die Wahrheit gesagt." Auch zuvor hatte er bereits mehrfach rechtsextremistischen Inhalten wohlwollend zugestimmt.

Ein Zusammenschluss hochrangiger Persönlichkeiten der jüdischen Community in den USA erklärte dazu: "Das alles ist nicht überraschend: Musk verbreitet nun schon seit Jahren Antisemitismus. Überraschend ist jedoch, wie viele Technologieunternehmen und Führungskräfte immer noch bereit sind, mit ihm Geschäfte zu machen. Tim Cook, CEO von Apple, hat seine Unterstützung für Elon Musk verdoppelt. Google hat seine Beziehungen zu X vertieft, indem es mit ihnen eine Werbepartnerschaft eingegangen ist." Sie forderten Disney, Apple, Amazon und andere große Werbetreibende in einem offenen Brief erneut auf, ihre Finanzierung der Plattform zu stoppen. Apple und Google sollten zudem die App aus ihren Stores werfen - was im Grunde den von ihnen aufgestellten Richtlinien entsprechen würde.

Zusammenfassung
  • Twitter/X verbreitet antisemitische Inhalte; Plattform-Besitzer beteiligt
  • IBM setzt Werbung auf Twitter/X wegen Hassinhalten aus
  • Media Matters zeigt IBM-Werbung neben Nazi-Tweets
  • Twitter wirft Media Matters gezielte Stimmungsmache vor
  • Moderation auf Twitter/X wird reduziert; Hassinhalte bleiben
  • Elon Musk fördert antisemitische Inhalte auf Twitter/X
  • Jüdische Community in USA kritisiert Geschäftsbeziehungen mit Musk
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