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Mit EU-Datenschutzrecht gegen YouTubes Anti-Adblocker-Script

Ausgerechnet das manchmal gescholtene Datenschutz-Recht der EU könnte einen Hebel bieten, um gegen die Anti-Werbeblocker-Scripte der Streaming-Plattform YouTube vorzugehen. Denn eigentlich müsste Google um Erlaubnis zu deren Einsatz fragen.
27.10.2023  10:33 Uhr

User werden nicht gefragt

Wie das britische Magazin The Register berichtet, hat der Datenschutzaktivist Alexander Hanff eine entsprechende Beschwerde bei der irischen Datenschutzkommission DPC eingereicht. Denn aus seiner Sicht darf der Betreiber gar nicht einfach so überprüfen, ob der Nutzer einen Werbeblocker installiert hat. Ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers dürfen nämlich laut EU-Recht von einem Dienst nur Informationen über die Systeme des Users eingeholt werden, die für den technischen Betrieb unbedingt benötigt werden - das kann unter anderem die Leistung der Hardware betreffen.


Hanff bat in dieser Hinsicht bereits vor einigen Jahren bei der EU um eine genauere Erläuterung des Gesetzestextes. "Konkret ging es um die Frage, ob der Einsatz von Skripten oder anderen Technologien zur Erkennung eines Werbeblockers eine Zustimmung erfordert (da dies für die Bereitstellung des angeforderten Dienstes nicht unbedingt erforderlich ist und lediglich den Interessen des Herausgebers dient). Die Europäische Kommission hat mir eine förmliche schriftliche Antwort geschickt, in der sie meinem Standpunkt zustimmt, dass solche Aktivitäten der Zustimmung bedürfen", erklärte er.

DPC wird aktiv

Jetzt, da YouTube die Erkennung von Werbeblockern eingeführt hat, hat Hanff die irische Datenschutzbehörde aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Auf Nachfrage stimmte auch die DPC der Einschätzung Hanffs zu und kündigte an, sich mit Google in Verbindung zu setzen. Dies soll inzwischen auch geschehen sein.

YouTube bzw. Google behauptet, der Einsatz von Werbeblockern verstoße gegen die Nutzungsbestimmungen. Ein ausdrückliches Verbot ist allerdings in diesen gar nicht zu finden. Aber die Formulierung besagt, dass die Nutzer keinen Teil des Dienstes "umgehen, deaktivieren, betrügerisch eingreifen oder anderweitig stören" dürfen, was man entsprechend interpretieren kann.

Zusammenfassung
  • EU-DSGVO könnte gegen Anti-Werbeblocker-Scripte von YouTube vorgehen
  • Datenschutzaktivist reichte Beschwerde bei Datenschutzkommission ein
  • EU-Recht erlaubt nur Informationen, die für technischen Betrieb nötig sind
  • Hanff: Erkennung von Werbeblockern benötigt Zustimmung des Nutzers
  • Europäische Kommission stimmt zu, Zustimmung nötig
  • Hanff fordert Maßnahmen
  • YouTube behauptet, Werbeblocker verstoßen gegen Nutzungsbestimmungen.
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