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Wissing schädigt mit 300-Mio.-Förderung die deutsche Solarbranche

Angesichts des Ansturms auf das jüngste staatliche För­der­pro­gramm für Photovoltaik-Anlagen, könnte man von einem Erfolg sprechen. Die Solarbranche ist allerdings wenig begeistert und vermeldet hart eingebrochene Auftragszahlen.
24.10.2023  12:31 Uhr

Niemand braucht so etwas

Das fragliche Förderprogramm stammte aus dem Bundesverkehrsministerium unter Volker Wissing (FDP). Profitieren konnten hier Besitzer von Elektroautos. Diese erhielten einen Zuschuss vom Staat, wenn sie sich eine Solaranlage zulegten, mit der das Fahrzeug geladen werden kann. Bei der Staatsbank KfW, über die das Programm bereitgestellt wurde, kam es zu einem Massenauflauf und binnen nur eines Tages war das Fördervolumen von 300 Millionen Euro ausgeschöpft. Schon zum Start wurde das Programm als Geldgeschenk an wohlhabende Verbraucher kritisiert. Dies sieht auch Peter Knuth, Chef der Photovoltaik-Fachbetriebskette Enerix, so. "Die meisten, die das Programm nutzen wollten, hätten wohl auch ohne die neue Förderung Anlagen gekauft", sagte er gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Capital. "Niemand in der Solarbranche hat dieses Förderprogramm benötigt."


Für den Sektor brachte die Ausschüttung von hunderten Millionen Euro dabei nicht nur keinen Nutzen - es verursacht sogar massive Probleme, die die Branche ohne die vermeintliche Förderung gar nicht gehabt hätte. So berichtete Knuth, dass bei den rund hundert Enerix-Partnerfirmen im Bundesgebiet durchschnittlich jeweils acht Aufträge weggebrochen seien.

Zweite Runde geplant

Denn die potenziellen Auftraggeber bekamen keinen Platz im Förderprogramm und nahmen erst einmal davon Abstand, sich eine Solaranlage zuzulegen. Stattdessen wollen sie nun warten, dass die Förderung noch einmal mit weiteren Staatsgeldern in eine zweite Runde geführt wird. Für diese sind derzeit noch einmal rund 200 Millionen Euro vorgesehen.

Eine ganze Reihe von Unternehmen aus der Solarbranche wollen allerdings dagegen kämpfen, dass die zweite Förderrunde in gleicher Form in die Praxis umgesetzt wird - unter anderem plant man eine Petition an den Bundestag. Wenn Gelder ausgeschüttet werden sollen, wäre ein wesentlich geringerer Betrag besser, hieß es. Oder eben gar keine Förderung für Verbraucher, die es eigentlich nicht nötig hätten. In der jetzt durchgeführten Form führt die Vergabe der Gelder jedenfalls nur zu einer kompletten Destabilisierung der Branche.

Zusammenfassung
  • Staatliches Förderprogramm für Photovoltaik-Anlagen ist ausgeschöpft
  • Solarbranche beklagt eingebrochene Auftragszahlen durch das Programm
  • Förderprogramm richtete sich an Besitzer von E-Autos mit Solaranlagen
  • Kritik: begünstigt Wohlhabende, die Förderung nicht benötigen
  • Abbruch von Aufträgen, da Kunden weitere Fördermittel abwarten
  • Solarunternehmen planen Protest gegen zweite Förderrunde
  • Kritik: Förderprogramm destabilisiert die Solarbranche
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