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Neue Analysen:
Pilze sind extrem effektive Helfer gegen die Klimakrise

Im Kampf gegen die Klimakrise könnten sich Verbündete finden, die bisher nur von den wenigsten beachtet werden: Pilze. Diese haben laut jüngsten Forschungen einen enormen Anteil an der Speicherung von Kohlenstoff in der Erde.
06.06.2023  17:02 Uhr
Im Zentrum der Betrachtung stehen dabei Mykorrhizapilze. Zu dieser Gruppe gehören alle Pilze, die eine enge Symbiose mit Pflanzen eingehen - zu ihnen gehören im Grunde alle gemeinhin bekannten Wald-Pilze, nicht hingegen viele ebenfalls allgegenwärtige Schimmelpilze oder Hefen. Mykorrhiza bilden seit inzwischen rund 450 Millionen Jahren Verbindungen mit Pflanzen, die versorgen diese mit wichtigen mineralischen Nährstoffen und bekommen im Austausch organische Stoffwechselprodukte wie Zucker geliefert. In einer Metaanalyse, die im Journal Current Biology veröffentlicht wurde, berechneten Wissenschaftler nun, dass jährlich rund 13 Gigatonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e), die von Landpflanzen gebunden werden, an Mykorrhizapilze abgegeben und von diesen tiefer in den Boden transportiert werden - das entspricht etwa 36 Prozent der jährlichen weltweiten Emissionen fossiler Brennstoffe.


Einlagerung in den Boden

"Wir hatten schon immer den Verdacht, dass wir einen großen Kohlenstoffpool übersehen haben", sagt die Autorin Heidi Hawkins, Forschungsleiterin bei Conservation South Africa und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kapstadt. "Es ist verständlich, dass dem Schutz und der Wiederherstellung von Wäldern als natürlichem Mittel zur Abschwächung des Klimawandels große Bedeutung beigemessen wird. Dem Schicksal der riesigen Mengen an Kohlendioxid, die von diesen Pflanzen während der Fotosynthese aus der Atmosphäre in den Boden zu den Mykorrhizapilzen transportiert werden, wurde bisher jedoch wenig Aufmerksamkeit geschenkt."

Die organischen Kohlenstoff-Verbindungen, die von den Pflanzen bereitgestellt werden, nutzen die Pilze, um ihr unterirdisches Myzel-Netzwerk aufzubauen. Dieses macht den größten Teil der Biomasse eines Pilz-Organismus aus. Welche Ausmaße dies annehmen kann, zeigte sich in den USA: Dort wurde im Jahr 2000 ein einziger Organismus des Dunklen Hallimasch gefunden, der sich in einer Bodenfläche von rund neun Quadratkilometern ausgebreitet hat und schätzungsweise 600 Tonnen wiegt. Damit handelt es sich um das größte individuelle Lebewesen der Welt.

Dadurch, dass die Pilze gigantische Mengen Kohlenstoff unter die Erde transportieren und dort einlagern, können sie einen wichtigen Anteil daran haben, wenn es darum geht, den CO₂-Gehalt der Atmosphäre zu stabilisieren. Das funktioniert allerdings nicht, wenn immer mehr Wälder gerodet, Böden von der intensiven Landwirtschaft regelmäßig umgepflügt oder für immer neue Bauprojekte versiegelt werden.

Zusammenfassung
  • Pilze können einen maßgeblichen Anteil an der Speicherung von Kohlenstoff in der Erde haben.
  • Mykorrhizapilze bilden seit 450 Millionen Jahren eine enge Symbiose mit Pflanzen.
  • Jährlich werden von den Mykorrhizapilzen 36% der weltweiten Emissionen fossiler Brennstoffe gebunden.
  • Mykorrhizapilze nutzen organische Kohlenstoff-Verbindungen, um unterirdische Myzel-Netzwerke aufzubauen.
  • Der Dunkle Hallimasch ist das größte individuelle Lebewesen der Welt.
  • Pilze können den CO₂-Gehalt der Atmosphäre stabilisieren, solange Wälder nicht gerodet werden.
  • Intensive Landwirtschaft und Bauprojekte stören die Funktion der Pilze.

Siehe auch: Künftig könnten Chips aus der Haut eines Pilzes hergestellt werden
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