Knalleffekt: Großbritannien blockiert Activision Blizzard-Übernahme

Witold Pryjda, 26.04.2023 13:45 Uhr 8 Kommentare
Man kann hier von einer Riesenüberraschung sprechen, da zuletzt alles darauf hindeutete, dass Großbritannien die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft erlauben wird. Doch das ist nicht der Fall, als Grund gab die zuständige Behörde das Cloud-Geschäft an. Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat heute wie erwartet das Ergebnis ihrer Untersuchung hinsichtlich der Microsoft-Übernahme des Spiele-Publishers Activision Blizzard verkündet. Alles andere als erwartet ist das Ergebnis: Denn die CMA erlaubt das Geschäft nicht.

Cloud-Markt als Stolperstein

Man kam zum Schluss, dass der Deal "die Zukunft des schnell wachsenden Cloud-Gaming-Marktes verändern und in den kommenden Jahren zu weniger Innovation und weniger Auswahl für britische Spieler führen" könnte. Weiter heißt es: "Microsoft hat eine starke Position bei Cloud-Gaming-Diensten, und die der CMA vorliegenden Beweise zeigten, dass es für Microsoft wirtschaftlich vorteilhaft wäre, die Spiele von Activision exklusiv für seinen eigenen Cloud-Gaming-Dienst anzubieten."


Microsoft hatte versucht, die Bedenken der britischen Wettbewerbshüter anzusprechen, u. a. mit Vereinbarungen mit Nvidia und Nintendo. Diese sollten Spiele wie Call of Duty zehn Jahre lang auf andere Plattformen bringen. Die CMA hat sich diese eigenen Angaben nach angesehen, doch festgestellt, dass diese "eine Reihe von erheblichen Mängeln" beim Thema Cloud-Gaming-Diensten enthielten (via The Verge).

Die CMA dazu:

"Sie deckte die verschiedenen Geschäftsmodelle für Cloud-Gaming-Dienste nicht ausreichend ab, einschließlich der Abonnementdienste für mehrere Spiele.

Sie war nicht offen genug für Anbieter, die möglicherweise Versionen von Spielen für andere PC-Betriebssysteme als Windows anbieten wollen.

Sie würde die Bedingungen, zu denen Spiele verfügbar sind, standardisieren, anstatt sie durch die Dynamik und Kreativität des Wettbewerbs auf dem Markt zu bestimmen, wie es ohne den Zusammenschluss zu erwarten wäre."


Zuletzt sah es danach aus, als würde man mit Call of Duty das größte Bedenken zugunsten von Microsoft angesprochen bzw. entschieden haben. Denn die CMA kam zum Schluss, dass Microsoft es sich nicht leisten könne, den Shooter von anderen Plattformen fernzuhalten. Microsoft will weiter für den Deal kämpfen, wie Microsoft President Brad Smith mitteilte: "Wir halten an dieser Übernahme fest und werden Berufung einlegen."

Smith: "Die Entscheidung der CMA lehnt einen pragmatischen Weg zur Lösung von Wettbewerbsbedenken ab und schreckt technologische Innovationen und Investitionen im Vereinigten Königreich ab. Wir haben bereits Verträge unterzeichnet, um die beliebten Spiele von Activision Blizzard auf 150 Millionen weiteren Geräten verfügbar zu machen, und wir sind weiterhin entschlossen, diese Vereinbarungen durch regulatorische Abhilfemaßnahmen zu stärken. Wir sind besonders enttäuscht darüber, dass diese Entscheidung nach langen Überlegungen anscheinend ein unzureichendes Verständnis dieses Marktes und der tatsächlichen Funktionsweise der relevanten Cloud-Technologie widerspiegelt."

Zusammenfassung
  • CMA erlaubt Microsoft-Übernahme von Activision Blizzard nicht
  • Grund: Cloud-Geschäft könnte zu weniger Innovation und weniger Auswahl führen
  • Microsoft hatte Vereinbarungen, diese deckten Cloud-Gaming-Dienste nicht genug ab
  • Microsoft will weiter für den Deal kämpfen und Berufung einlegen
  • Smith: Entscheidung zeigt unzureichendes Verständnis des Marktes und der Cloud

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