Zerschlagung geplant: Google Werbesparte Zielscheibe der US-Behörden

Roland Quandt, 24.01.2023 19:28 Uhr 1 Kommentare
Jetzt geht es für Google ans Eingemachte: das US-Justizministerium und acht US-Bundesstaaten haben Klage gegen den Internetkonzern eingereicht, weil sie in der Dominanz der Firma im Bereich der Online-Werbung eine illegale Monopolisierung der Marktmacht sehen. Ziel ist es, das Werbegeschäft von Google zu zerschlagen. Wie das US Department of Justice heute laut CNBC verlauten ließ, hat man Klage gegen Google und dessen Mutterkonzern Alphabet eingereicht, weil das Unternehmen angeblich seine Marktmacht im Markt für Online-Werbung illegal ausnutzt. Die Behörde reichte ihre Klage in Virginia vor einem US-Bundesgericht ein, wobei sich auch unter anderem New York, Kalifornien und Virginia der Klage angeschlossen haben.

Es ist das erste Mal, dass die US-Regierung unter dem demokratischen Präsidenten Biden eine Klage gegen einen Technologiekonzern anstrengt, nachdem die entsprechenden Ermittlungen bereits unter der Vorgängerregierung unter dem Republikaner Trump begonnen hatten. Hinzu kommt, dass es sich um einen der wenigen Fälle handelt, in denen die US-Regierung versucht, ein großes Unternehmen aufzuspalten.


Google vermarktet die Werbung und verbreitet sie auch

Google ist der wichtigste Anbieter im Markt für Online-Werbung in den USA, der aktuell ein Volumen von fast 280 Milliarden Dollar haben soll. Der Konzern kontrolliert daher die Technologie, die für den Verkauf, Kauf und die Verbreitung von Online-Werbung verwendet wird. Bis das Verfahren zu einem Ende kommt, wird es wohl mehrere Jahre dauern.

Die Klage des US-Justizministeriums entspricht im Grunde dem, was bereits in einer Reihe von US-Bundesstaaten auf regionaler Ebene der Fall ist: Es gibt eine Reihe ähnlicher Klagen, die Google einen Missbrauch seiner Marktmacht vorwerfen und eine Aufspaltung des Geschäftsbereichs für Online-Werbung durchsetzen wollen. Bereits 2020 begann ein solches Verfahren in New York vor einem Bundesgericht, an dem 16 Bundesstaaten beteiligt sind.

Werbung ist Googles wichtigste Einnahmequelle

Google setzt jedes Jahr zig Milliarden Dollar mit der Vermarktung von Online-Werbung um. Das Unternehmen betreibt unter anderem Marktplätze, bei denen Werbeplätze auf diversen externen Websites und bei Googles eigenen Angeboten mithilfe von automatisierten Systemen meistbietend versteigert werden. Der Konzern liefert zudem auch die Infrastruktur, über die die Werbung dann auf den jeweiligen Web-Angeboten ausgeliefert wird.

Aktuell hat Google dabei in den USA laut Marktforschungsunternehmen einen Marktanteil von rund 26,5 Prozent. Zwar hatte der Konzern vor einigen Jahren noch einen mit gut 37 Prozent deutlich höheren Marktanteil, doch werfen die Ermittler der US-Regierung dem Konzern dennoch vor, seine weiterhin riesige Marktmacht auszunutzen, um die Geschäfte von Wettbewerbern zu behindern.

Google argumentiert immer wieder damit, dass der US-Markt für Online-Werbung eigentlich hart umkämpft ist und es reichlich Wettbewerb gibt, weil andere Unternehmen wie Microsoft, Amazon und Meta (Facebook) ebenfalls mitmischen. Unterdessen gibt es auch noch einige andere Bereiche, in denen die US-Wettbewerbshüter davon ausgehen, dass Google als Monopolist agiert und den Wettbewerb behindert. So droht dem Konzern auch wegen Android Ärger.

Zusammenfassung
  • US-Justizministerium und acht Bundesstaaten klagen
  • Ziel: Zerschlagung des Google-Werbegeschäfts
  • Erstes Verfahren unter Biden gegen Tech-Konzern
  • US-Regierung versucht selten, Unternehmen aufzuspalten
  • Google kontrolliert Technologie für Online-Werbung
  • US-Behörden sehen Google als Monopolisten, der Wettbewerb behindert
  • Google hat 26,5 % Marktanteil bei Online-Werbung in USA

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