Wer klagt, darf nicht in Events: Gesichtserkennung siebt Anwälte aus

Witold Pryjda, 22.12.2022 15:42 Uhr 22 Kommentare
Gesichtserkennungstechnologie wird kontrovers diskutiert, denn vor allem Behörden erhoffen sich davon ein wirksames Mittel, um Verdächtige und Gesuchte zu identifizieren. Datenschützer laufen aber Sturm dagegen. Ein besonders interessanter Fall hat sich in New York ereignet. Der Madison Square Garden (MSG) ist die wohl berühmteste Arena der Welt, wer es als Künstler schafft, in dieser Mehrzweckhalle aufzutreten bzw. diese zu füllen, der kann von sich behaupten, ganz oben angekommen zu sein. Der MSG ist auch Heimat von Sportmannschaften wie den New York Rangers und den New York Knicks. Die dazugehörige Veranstaltungsgesellschaft nennt sich MSG Entertainment und diese hat nun für eine Kontroverse gesorgt.

Denn wie NBC New York (via Ars Technica) berichtet, wurde eine Anwältin namens Kelly Conlon daran gehindert, eine Show des Tanzensembles The Rockettes in der Radio City Music Hall zu betreten. Conlon war Begleiterin einer Gruppe von Pfadfinderinnen, deren Mitglied ihre Tochter ist.

Wer bei "falscher" Kanzlei arbeitet, darf nicht rein

Die Anwältin war also privat dort, wurde aber beim Passieren der Sicherheitskontrolle ausgesiebt. Ihr wurde vom Sicherheitspersonal mitgeteilt, dass sie die Veranstaltung nicht betreten könne. Erkannt wurde Conlon durch ein Gesichtserkennungssystem, das unter anderem deswegen installiert wurde, um Anwälte zu erkennen, die bei Kanzleien beschäftigt sind, die an Klagen gegen MSG Entertainment beteiligt sind.


Das trifft zwar prinzipiell auch auf Conlon zu, allerdings teilte sie mit, dass sie nicht selbst an einem derartigen Fall beteiligt ist. Das spielte aber keine Rolle und ihr wurde nicht nur der Zutritt verweigert, sondern sie wurde auch aus dem Gebäude eskortiert. In einem Statement erklärt MSG Entertainment später, dass man die Kanzlei von Conlon zweimal auf diese Richtlinie hingewiesen habe.

"MSG hat eine klare Richtlinie eingeführt, die es Anwälten, die einen Rechtsstreit gegen das Unternehmen führen, untersagt, Veranstaltungen in unseren Hallen zu besuchen, bis der Rechtsstreit beigelegt ist", teilte der Veranstalter gegenüber NBC mit. "Wir verstehen zwar, dass diese Maßnahme für einige enttäuschend ist, aber wir können die Tatsache nicht ignorieren, dass Rechtsstreitigkeiten ein inhärent nachteiliges Umfeld schaffen."

Laut der New York Times setzt MSG "aus Sicherheitsgründen" bereits seit 2018 auf Gesichtserkennung und weist die Besucher der Veranstaltungen auf diesen Umstand auch hin. Gegen einen Ausschluss von bestimmten Anwälten hat auch bereits eine Kanzlei erfolgreich geklagt, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

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