Trucker erklärt, warum der Tesla Semi eine völlige Fehlkonstruktion ist

Witold Pryjda, 16.12.2022 15:12 Uhr 73 Kommentare
Tesla hat mit Limousinen für den urbanen Raum begonnen, mitt­ler­wei­le hat man sein Produktportfolio aber ausgebaut und bie­tet nun auch Lkw und demnächst auch (futuristische) Pick­ups an. Doch der lang erwartete Tesla Semi ist ein "völlig dum­mes Fahr­zeug", meint ein LKW-Profi. Die vielleicht wichtigste Grundregel im Produktdesign und der Architektur lautet "Form follows function", also "Die Form folgt der Funktion". Doch dieses Prinzip scheint man bei Tesla und dem LKW Tesla Semi nicht berücksichtigt zu haben. Denn dieser Tage hat der Elektroautobauer von Elon Musk die ersten Fahrzeuge ausgeliefert und damit rückt das Fahrzeug auch in den Blickpunkt von Profis, also von Brummifahrern.

Wie die Trucking-Fachseite CDLLife berichtet, hat ein polnischer LKW-Fahrer namens Tomasz Oryński vor Kurzem auf Twitter einen längeren Thread verfasst, in dem er aus praktischer Sicht erläutert, warum der Tesla Semi für den Alltag kaum zu gebrauchen ist.

Oryński: "Ich werde euch allen sagen, warum es ein völlig dummes Fahrzeug ist. Und ich werde nicht einmal über seine Ladekapazität oder irgendetwas anderes sprechen. Ich werde das Fahrerhaus einfach aus dem praktischen Blickwinkel von jemandem betrachten, der beruflich LKW fährt. Denn es ist das Gegenteil von 'um den Fahrer herum gebaut'."

Der Trucker stört sich vor allem an der Position des Fahrersitzes. Denn dessen zentrale Position ist für alltägliche Tätigkeiten im Leben eines Truckers wenig geeignet: "Der Fahrer sitzt in der Mitte. Das erschwert das Überholen oder den Blick nach vorn. Aber es macht es auch unmöglich, aus dem Fenster zu greifen, um den Papierkram zu erledigen oder mit dem Pförtner zu sprechen, wenn man in einen Hafen, eine Fabrik oder eine Mautstelle einfährt."

Tesla Semi fährt 800 Kilometer bei voller Beladung und ohne Aufladen
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Auch die Position der Türen ist laut Oryński alles andere als gut durchdacht: "Die Türen befinden sich auf der Rückseite. Man steigt ein, hängt seinen Mantel auf und muss dann ein paar Schritte nach vorn gehen, um sich hinter das Lenkrad zu setzen. Das bedeutet, dass man den Platz in der Kabine für einen Korridor verschwendet."

Laut dem LKW-Fahrer hat das auch zur Folge, dass der Tesla Semi vermutlich schmutziger wird als andere Trucks: "Die Tatsache, dass man um das Fahrerhaus herumgehen muss, bedeutet, dass es voller Schlamm sein wird. Das Gute daran, direkt auf den Fahrersitz zu steigen, ist, dass man Schnee oder Schlamm abschütteln kann, wenn man einsteigt, und selbst wenn die Stiefel noch dreckig sind, wird nur dieses kleine Stück Boden vor dem Fahrersitz schmutzig."

Spielzeug für reiche Jungs

Er führt auch noch weitere Punkte an, die Profis wie ihn stören, darunter vermutlich größere tote Winkel, die gekrümmte Windschutzscheibe und noch einiges mehr. Sein Fazit: "Ich könnte noch mehr sagen. Unterm Strich ist (der Tesla Semi) ein Spielzeug für reiche Jungs und kein praktisches, funktionierendes Fahrzeug, weil seine Konstrukteure keine Ahnung von den Realitäten des Transportwesens haben."

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