VW-Batteriewerk in Tschechien: Pilsen will lieber einen Flughafen

Christian Kahle, 17.11.2022 16:12 Uhr 3 Kommentare
Volkswagen will auch in Tschechien ein neues Werk zur Produktion von Batteriezellen hochziehen. Allerdings schlägt dem Unternehmen hier Widerstand entgegen - aber nicht, weil Bürger negative Umwelt-Effekte fürchten, sondern wegen eines Flughafens. Denn die Planungen sehen vor, dass die Fertigungsanlage in Pilsen genau dort entsteht, wo eigentlich Flugverkehr abgewickelt wird. "Der Pilsner Flughafen ist voll funktionsfähig. Hier gibt es auch Bunker für einen möglichen Verteidigungsfall, was ja auch wichtig ist. Die Batteriefabrik kann in Tschechien stehen. Aber wozu am Pilsner Flugplatz?", zitiert die Tagesschau den Chef des tschechischen Luftfahrtverbandes.

Bei der Anlage handelt es sich immerhin um den fünftgrößten Flughafen des Landes. Und sowohl Menschen aus dem Flugwesen als auch die Bürger vor Ort würden ihn gern behalten. Denn er sei auch die einzige Reserve für den einzigen tschechischen Militärflughafen. Zudem seien hier Flugschulen und auch ein Rettungsdienst angesiedelt, die auf die Startmöglichkeit angewiesen sind.

Unterschiedliche Ansichten

Sowohl von der lokalen Verwaltung der Stadt Pilsen als auch von fünf Kommunen in der Umgebung liegen Beschlüsse vor, nach denen man den Flugbetrieb erhalten will. Ebenso wurden 11.000 Unterschriften unter einer Petition gesammelt. Letztlich geht es hier also nicht darum, dass man etwas gegen die VW-Fabrik hätte - man will nur nicht, dass diese den Flughafen ersetzt. An einem anderen Standort würde man kein Problem mit der Ansiedlung haben.

Laut der VW-Tochter Skoda gibt es aber entgegen der Darstellung der Flughafen-Freunde keinen anderen Standort, der die Voraussetzungen erfüllen würde. Wenn die Ansiedlung scheitert, dürfte der Mutterkonzern eine der anderen Optionen in Polen oder Ungarn heranziehen. Die Regierung in Prag sieht darin die Gefahr, dass man eine wichtige Zukunfts-Technologie liegen lasse. Vor Ort hält man das für weniger dramatisch: Der Bürgermeister Pilsens sieht das Werk als normale Chemiefabrik an, die aufgrund der kaum vorhandenen Arbeitslosigkeit in der Region ohnehin nur mit Fachkräften starten könne, die aus dem Ausland angeworben werden.

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