Apple ändert AirDrop, weil es von Demonstranten in China genutzt wird

Roland Quandt, 10.11.2022 11:26 Uhr 28 Kommentare
Apple hat einen Teil der AirDrop-Funktionalität von iOS-basierten Geräten geändert. Hintergrund ist wohl die Verwendung von AirDrop für die Verbreitung von Protesten gegen die chinesische Regierung. Dabei wurde eine bestimmte Eigenschaft von AirDrop genutzt, die jetzt wegfällt. Wie der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg berichtet, beschränkt Apple die Funktion AirDrop mit der Einführung von iOS 16.1.1 zunächst in China. Bisher konnten die Nutzer auswählen, dass AirDrop auf ihrem Gerät zeitlich unbegrenzt auch von unbekannten Quellen Inhalte über die drahtlose Funktion zur Dateiübertragung empfangen konnte. Diese Möglichkeit entfällt jetzt.

Freier Empfang muss nach 10 Minuten wieder neu aktiviert werden

Ab sofort kann AirDrop nur noch für jeweils 10 Minuten so eingestellt werden, dass auch unbekannte Dritte Dateien auf ein Gerät schicken können. Danach wechselt das System wieder in eine Einstellung, bei der nur Geräte aus der Kontaktliste des Empfängers Dateien per AirDrop übertragen können. Bisher gab es aber eben keine zeitliche Begrenzung, zumal die Nutzer die "offene" Einstellung für den Empfang von Dritten ohnehin zunächst selbst aktivieren müssen.


Warum also sollte Apple eine Funktion beschneiden, bei der der Nutzer selbst entschieden hat, sie in dieser Form nutzen zu wollen? Zwar begründet Apple den Schritt damit, dass man die unerwünschte Verbreitung von möglicherweise bedenklichen Inhalten über AirDrop vermeiden will, tatsächlich könnte es aber politische Gründe für den Eingriff des Herstellers geben.

Corona-Lockdowns und Neuwahl von Xi Jinping

So wurde AirDrop über Jahre hinweg auch als Weg für Proteste verwendet. In China gab es vielfach Fälle, in denen Bilder mit Protestbotschaften verbreitet wurden, die sich gegen die Kommunistische Partei und ihren Vorsitzenden Xi Jinping richten. Der Vorteil bei AirDrop: die allgegenwärtige Zensurmaschinerie der Regierung funktioniert nur im Internet - bei AirDrop erfolgt die Weitergabe von Daten aber lokal in einer Art Ad-Hoc-Netzwerk zwischen zwei Geräten.

Apple begrenzt den Zeitraum für den Empfang von Dateien von "Nicht-Kontakten" jetzt auf 10 Minuten, was die Verwendung für die Verbreitung von Protest-Bildern deutlich erschweren dürfte. Seit der Einführung des Features ist diese Art der Nutzung bereits vielfach dokumentiert worden. Erst kürzlich erhielt sie wieder mehr Aufmerksamkeit, schließlich ließ sich Xi erstmals in der Geschichte der KP Chinas für eine dritte Amtszeit wählen.

Auch die diversen Lockdown-Maßnahmen im Rahmen von Chinas Zero-Covid-Politik dürften dazu geführt haben, dass zuletzt wieder mehr Protestaktionen über AirDrop durchgeführt wurden, zumal das iPhone nach wie vor das beliebteste Smartphone der Chinesen ist. Apple will die Änderung zunächst in China einführen, bevor man dann im kommenden Jahr weltweit damit beginnt, die gleiche zeitliche Begrenzung für den Empfang von Inhalten aus unbekannten Quellen durchzusetzen.

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