Vodafone-Mobilfunkmasten gehören wohl bald zum Teil Saudi-Arabien

Christian Kahle, 09.11.2022 16:38 Uhr 3 Kommentare
Die Mobilfunkmasten des Netzbetreibers Vodafone werden voraussichtlich bald in Teilen mit aus Saudi-Arabien kontrolliert. Ein Staatsfonds des Landes will sich an einem Investment-Paket für den Einstieg in die Infrastruktur-Tochter Vantage Towers beteiligen. Vodafone hatte den Betrieb der Masten, an denen die Mobilfunkantennen hängen, vor einiger Zeit für den gesamten Konzern in eine gemeinsame Tochtergesellschaft ausgelagert. Die Plätze für die Aufhängung der Technik werden dann zurück gemietet. Dadurch muss sich der Netzbetreiber nicht mehr selbst um die kritische Infrastruktur kümmern und kann kurzfristig Einnahmen mit der passiven Infrastruktur generieren.

Interesse an dem Kauf einer Beteiligung hat ein Konsortium angemeldet, das von den Investment-Firmen KKR und Global Infrastructure Partners (GIP) angeführt wird. An diesem ist auch Vodafone selbst beteiligt und will zukünftig mindestens 50 Prozent der Anteile behalten. Auf diese Weise würde Vantage Towers von der Börse verschwinden, wie aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervorgeht.

Milliarden für den Schuldenabbau

Aktuell hält Vodafone noch einen eigenen Anteil von 81,7 Prozent an dem Masten-Betreiber. Die Finanzinvestoren würden also die außenstehenden Aktien sowie weitere rund 40 Prozent aus dem Vodafone-Vermögen kaufen. Mit den Einnahmen möchte Vodafone unter anderem Schulden von mehreren Milliarden Euro zurückzahlen und sich so einen größeren Spielraum für kommende Investitionen schaffen.

Der saudi-arabische Staatsfonds würde durch den Deal zwar keineswegs die Mehrheit, aber letztlich doch eine nicht zu vernachlässigende Beteiligung an mehreren kritischen Infrastrukturen in Europa erhalten, zu denen die Masten trotz ihrer passiven Rolle im Netz gehören. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um die wirtschaftlichen Abhängigkeiten von und Verflechtungen mit autoritären Regimen dürften die jeweiligen staatlichen Behörden den Deal daher sicher nicht einfach abnicken.

Die Saudis investieren in der letzten Zeit verstärkt in solche Projekte. Hintergrund dessen ist die Notwendigkeit, die aus dem Ölgeschäft stammenden Reichtümer auch für die Zukunft gewinnbringend anzulegen. Denn es ist absehbar, dass man mit fossilen Brennstoffen keine große Zukunft mehr haben wird.

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