China: Chip-Eigenentwicklungen müssen künstlich verlangsamt werden

Christian Kahle, 08.11.2022 10:41 Uhr 13 Kommentare
Chinesische Unternehmen haben durchaus das Know-how, leistungsfähige Chips zu entwickeln. Die für die Herstellung nötigen Prozess-Techniken fehlen aber, sodass Designs nun künstlich ausgebremst werden, um sie nutzbar zu machen. Von einem Großkonzern wie Alibaba bis hin zu Start-ups wie Biren Technology gibt es verschiedene chinesische Unternehmen, die selbst High End-Chips entwickeln. Das Problem ist allerdings, dass sie diese nicht bei chinesischen Halbleiter-Firmen produzieren lassen können. Denn diese verfügen nicht über ausreichend weit entwickelte Prozesstechnologien, wie aus einem Bericht der Financial Times hervorgeht.

Daher ist man gezwungen, die Dienste des taiwanischen Auftragsfertigers TSMC in Anspruch zu nehmen. Die von diesem hergestellten Chips müssen dann allerdings nach China importiert werden, wodurch die Embargo-Maßnahmen der USA gegen China greifen. Auch wenn die Amerikaner hier nicht direkt beteiligt sind, so liefert doch TSMC nur Komponenten, die nicht den Sanktionen unterliegen, da man selbst auch mit verschiedenen Produkten und Technologien arbeitet, die aus den USA bezogen oder lizenziert werden.


Entwicklung für die Katz

Die chinesischen Unternehmen haben nun also Jahre und Millionen von Dollar in die Entwicklung von Designs für fortschrittliche Prozessoren investiert, die die nächste Generation von Supercomputern, Algorithmen für künstliche Intelligenz und die Rechenzentren des Landes antreiben sollen. Doch nutzen können sie diese Ergebnisse ihrer Arbeit nun nicht.

Sowohl Alibaba als auch Biren hätten bereits teure Testläufe ihrer neuesten Chips bei TSMC durchgeführt, als Washington die Sanktionen bekannt gab. Nach Angaben verschiedener Personen, die mit der Situation vertraut sind, zwangen die Vorschriften die Unternehmen dazu, die weitere Produktion zu stoppen und Änderungen an ihren Designs vorzunehmen. Nun lässt man bei TSMC abgespeckte Varianten herstellen, mit denen man die Embargo-Hürde unterlaufen kann.

Teils ist man an der Misere aber auch selbst schuld. Biren hat beispielsweise viel Investorengelder eingesammelt und einen Grafikprozessor entwickelt, der angeblich Konkurrenzprodukte von Nvidia und AMD übertreffen soll. "Man muss unauffällig sein", kommentierte ein in Shanghai ansässiger Gründer eines konkurrierenden Start-ups. "Sie haben zu viel PR gemacht, und ihre Spezifikationen stehen schwarz auf weiß da draußen. Jetzt ist es für TSMC schwierig, ihnen zu helfen, einen Ausweg zu finden."

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