Rückzug vom Rückzug: Russland kehrt kleinlaut auf die ISS zurück

John Woll, 24.10.2022 17:40 Uhr 22 Kommentare
Drohungen von einem Absturz, der baldige Ausstieg, der Auf­bau einer eigenen Raumstation: Russlands Vertreter hat­ten in Be­zug auf die ISS aggressive Töne angestimmt. Jetzt folgt klein­laut der Rückzug vom Rückzug: Bis 2028 bleibt man halt doch Teil der Station, mindestens.

Russland hat sich neu sortiert

Russland hatte sich bis vor Kurzem noch sehr selbstbewusst auf die Brust geklopft. Man wolle die internationale Zusammenarbeit auf der ISS "nach dem Jahr 2024" beenden und eine eigene Raumstation aufbauen. Dmitri Rogosin, mittlerweile Ex-Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, hatte dieses Ablaufdatum bis zuletzt wiederholt kommuniziert. Offenbar gab es aber auch innerhalb der Behörde keine Einigkeit über das weitere Vorgehen. Sergej Krikaljow, verantwortlich für bemannte Raumfahrt, hatte Ende letzten Jahres klar formuliert: Er hoffe ganz im Gegenteil, dass sein Land das Abkommen zur Nutzung der Station verlängern werde.


Diese milderen Stimmen - in Bezug auf den Weltraum - scheinen sich jetzt endgültig innerhalb der russischen Regierung durchgesetzt zu haben. Dmitri Rogosin wurde im Juli dieses Jahres seines Postens enthoben, sein Nachfolger ist Juri Borissow. Für die Ankündigung des Rückzugs vom Rückzug sorgt aber dann jetzt eine noch deutlich wichtigere Stimme der Regierung: "Wir halten es für möglich, die Nutzung der ISS in Minimalkonfiguration bis zum Aufbau einer russischen Raumstation fortzusetzen, das heißt bis 2028", so Russlands Vizepremier und Industrieminister Denis Manturow am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax (via FutureZone).

Raumstation ISS

Immer schön unkonkret bleiben

Ja, auch hier wählt Russland eine Formulierung, die viel Spielraum lässt. Nach den aggressiven Tönen der letzten Monate, ist eine solche Aussage eines wichtigen Regierungsmitglieds auf jeden Fall ein starkes Zeichen, dass das Land die ISS auf absehbare Zeit weiter mit nutzen will. Natürlich kann man hier spekulieren, dass die vollmundige Ankündigung des schnellen Aufbaus einer eigenen Station hart mit dem real Machbaren kollidiert sein dürfte. Aus der Drohkulisse eines Ausstiegs politisches Kapital zu schlagen, war aber auf jeden Fall Teil dieses Plans.

Siehe auch:

Die Raumstation ISS in Zahlen
Infografik: Die Raumstation ISS in Zahlen
22 Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Verwandte Themen
ISS NASA
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2022 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies