Eigenes 5G-Netz: 1&1 muss Drittanbietervertrieb bis Ende 2023 beenden

Roland Quandt, 21.10.2022 17:22 Uhr 7 Kommentare
Netzbetreiber oder Diensteanbieter? 1&1 muss sich bald für eine der beiden Seiten des Mobilfunkmarktes entscheiden. Die Bundesnetzagentur hat jetzt Fristen festgelegt, denn 1&1 kann nicht sein eigenes Mobilfunknetz aufbauen und gleichzeitig die Dienste von Telekom & Co vermarkten. Die Bundesnetzagentur hat jetzt konkrete Fristen festgelegt, innerhalb derer sich die 1&1 Mobilfunk GmbH von ihrer bisherigen Doppelstellung als Netzbetreiber und Diensteanbieter verabschieden muss. Bisher vertreibt 1&1 nämlich Dienste von Dritten wie der Deutschen Telekom, Vodafone und O2/Telefonica, versucht aber parallel ein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen.

Bis Ende 2025 muss endgültig Schluss sein

Beide Geschäftsfelder können laut der BNetzA künftig nicht parallel weitergeführt werden. 1&1 muss daher bis Ende des Jahres 2023 den Vertrieb von Mobilfunkprodukten von Drittfirmen aufgeben. Jedwede andere "Geschäftstätigkeit" des Unternehmens als Diensteanbieter ist weiterhin bis zum Ende des Jahres 2025 einzustellen, legte die Bundesnetzagentur jetzt fest.


Klaus Müller, Präsident der BNetzA, erklärte dazu: "Mit der Entscheidung über den Zeitpunkt der Beendigung der Doppelstellung von 1&1 wird die wettbewerbliche Unabhängigkeit dieses Netzbetreibers hergestellt. Dadurch wird der Wettbewerb gefördert." Die Aufsichtsbehörde will damit also verhindern, dass sich 1&1 durch ein paralleles Auftreten als Netzbetreiber und MVNO unter Umständen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann.

Niemand darf in Deutschland gleichzeitig MVNO & Netzbetreiber sein

In Deutschland ist es grundsätzlich nicht möglich, dass ein Unternehmen gleichzeitig als MVNO (Mobile Virtual Network Operator) auftritt, also eigene Mobilfunktarife unter Nutzung der Netze anderer Anbieter verkauft, und ein eigenes Mobilfunknetz betreibt oder aufbaut. Weil 1&1 letzteres nach dem Kauf der Rechte an bestimmten Mobilfunkfrequenzen im Jahr 2019 vorhat, muss sich das Unternehmen innerhalb der oben genannten Fristen aus seiner MVNO-Tätigkeit zurückziehen.

Laut der Bundesnetzagentur wurde 1&1 bisher die gleichzeitige Tätigkeit in beiden Geschäftsfeldern zugestanden. Der Grund dafür ist wohl, dass 1&1 derzeit noch in einem frühen Stadium des Aufbaus seines Mobilfunknetzes steckt und den Betrieb noch nicht aufgenommen hat.

1&1 will eigentlich ab dem nächsten Sommer mit eigenen 5G-Verträgen an den Start gehen. Bis zum Ende des Jahres 2022 sollten dafür eigentlich an 1000 Standorten entsprechend ausgerüstete Mobilfunksender installiert werden, doch zuletzt haperte es bei der Umsetzung dieser Pläne durch die damit beauftragten Partner. Unter anderem waren Lieferschwierigkeiten der entsprechenden Hardware die Ursache. Wo das 1&1-eigene Netz nicht verfügbar ist, werden die Kunden des Unternehmens künftig im Netz von O2/Telefonica unterwegs sein.

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