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Klimakrise durchgerechnet: 270 Billionen fehlen, um Wandel zu stoppen

Das Pariser Abkommen definiert Ziele, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Doch neue Berechnungen zeigen, dass die Welt nicht genug investiert, es fehlen hunderte Billionen US-Dollar. Bei aktuellem Stand wird das Zieljahr 2050 für Netto-Null-Emissionen krachend verfehlt.
07.10.2022  19:55 Uhr

Wenn man es mal durchrechnet, ist Paris noch in weiter Ferne

Die aktuellen Berechnungen zum Preisschild für den Klimawandel stammt von dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re. Als Experten für Risiko-Bewertung betreibt das Unternehmen unter der Überschrift "Dekarbonisierungs-Tracker" auch aufwendige Analysen, wie es um das Erreichen der Pariser Klimaziele bestellt ist. Die Erkenntnis, die man jetzt vorlegt: "Von diesem Jahr an, muss die Welt insgesamt noch mehr als 270 Billionen USD in Dekarbonisierungsmaßnahmen investieren, wenn die Netto-Null-Ziele für 2050 erreicht werden sollen."

Anders gerechnet: Geht man von einer gleichmäßigen Verteilung der benötigten Investitionen bis zum Zieljahr aus, müssten die Länder der Welt zwischen 2022 und 2050 jedes Jahr 9,4 Billionen zusätzlich für Klima-Schutzmaßnahmen ausgeben. Bleiben die Ausgaben dagegen auf dem aktuellen Niveau, verschiebt sich das Erreichen der Netto-Null-Ziele nach dieser Berechnung um ganze 20 Jahre.

Dazu kommt außerdem: "Obwohl dies eine große Zahl ist, stellt sie wahrscheinlich die untere Grenze des damit verbundenen Unsicherheitsbereichs dar", so die Swiss Re-Experten. Denn die Studie selbst umfasst die Sektoren "Energie, Verkehr, Gebäude und Industrie", damit sind nach Meinung des Unternehmens wohl "70 % der weltweiten Treibhausgase" abgebildet.

Die Rechnung für den Klimawandel:
  • 114 Billionen für Verkehr, dabei stellt der Aufbau der Infrastruktur für Mobilität auf Basis von Elektrizität mit 105 Billionen den größten Posten dar
  • 77,9 Billionen für Energie, die größten Investitionen erfordert hier der Aufbau der erneuerbaren Energie-Träger (29,6 Billionen) und der Stromnetze (24,4 Billionen)
  • 65,4 Billionen für Gebäude, die größten Kostenpunkte sind hier Elektrifizierung (35,5 Billionen) und nötige Investitionen in Energieeffizienz (28,7 Billionen)
  • 14 Billionen für Industrie, hier sieht man alleine 10,6 Billionen im Bereich der Energieeffizienz

Unter dem Strich

Swiss Re zieht hier aber auch ein weiteres klares Fazit: Aus Sicht der Experten kann die Rechnung für die Welt aufgehen. Das aktuelle Niveau entspricht einem Drittel der nötigen Gelder, darüber hinaus gelte es "Ausgaben von emissionsintensiven zu emissionsarmen Anlagen" umzuschichten. Das wichtigste Werkzeug sieht Swiss Re aber in einer starken Ausweitung des Marktes für Green Bonds, um Klimaziele mit Investitionen im Privatsektor in Einklang zu bringen. Alleine dieser Markt habe das Potenzial, auf ein Volumen von 5 Billionen US-Dollar pro Jahr anzuwachsen.

Zu guter Letzt stützen die Experten eine These, die so auch von Klimaschutzaktivisten immer wieder angeführt wird: "Wir stellen fest, dass die BIP-Verluste, die durch die Schließung der Investitionslücke bis 2050 gemindert werden, im Wesentlichen dem zusätzlichen Investitionsbedarf entsprechen. Mit anderen Worten: Die Schließung der Lücke wird sich selbst auszahlen", so das Studien-Fazit von Swiss Re.

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