Mord durch Techniker: Netzbetreiber muss 1,1 Mrd. $ an Familie zahlen

Christian Kahle, 21.09.2022 11:42 Uhr 15 Kommentare
Ein US-Netzbetreiber muss die Hinterbliebenen einer ermordeten Frau mit einer Milliarden-Zahlung entschädigen. Denn der Täter war zum Tat-Zeitpunkt im Auftrag des Unternehmens unterwegs. So hat es nun ein Bezirksgericht in Texas entschieden. Der Fall betrifft den Kabelnetzbetreiber Charter Communications. Dieser hatte den Techniker in das Haus der 83-jährigen Betty Thomas geschickt. Der Mann hatte sich bereits im Jahr 2019 für schuldig bekannt, die Kundin umgebracht zu haben. Seitdem streiten sich die Anwälte der Hinterbliebenen aber mit dem Netzbetreiber um Schadensersatzansprüche, die sich gegenüber dem Unternehmen ergeben.

Charter wurde beschuldigt, den Täter eingestellt zu haben, ohne seinen beruflichen und persönlichen Werdegang zu überprüfen. Weiterhin habe man eine Reihe von Hinweisen auf sein Verhalten ignoriert, zu denen auch der Diebstahl von Kreditkarten und Schecks von älteren Kundinnen gehört haben sollen. Daher sahen die Hinterbliebenen aufgrund von Fahrlässigkeit eine Mitschuld des Unternehmens, berichtete das US-Magazin Ars Technica.

Hin und Her

Dem schloss sich auch das Gericht an. Allerdings ging es nun darum, die konkrete Summe festzulegen. In erster Instanz wurde Charter zu einer Strafe von 337,5 Millionen Dollar verurteilt, woraus sich wiederum eine Schadensersatzzahlung von rund 7 Milliarden Dollar ergeben hätte. In einer neuen Verhandlung wurde die Summe allerdings deutlich reduziert.

Insbesondere setzte das Gericht hier ein anderes Verhältnis bei der Festsetzung der Beträge an. Letztlich beläuft sich die Gesamthaftung des Netzbetreibers nun auf 1,1 Milliarden Dollar, die an die vier erwachsenen Kinder der Frau zu zahlen sind. Die noch immer sehr hohe Summe sieht das Gericht auch als gerechtfertigt an, weil das Unternehmen versucht habe, die Betroffenen zu übervorteilen. Denn die Anwälte des Konzerns hätten versucht, mit einem gefälschten Dokument ein Schiedsverfahren zu erzwingen, bei dem die Verhandlung und auch die Ergebnisse geheim geblieben wären. Der Schadensersatz sollte hier außerdem auf den Betrag der letzten Rechnung gedeckelt werden.

Charter will gegen das Urteil Berufung einlegen, so ein Sprecher des Unternehmens. Der Konzern hatte zuvor erklärt, dass das "Verbrechen nicht vorhersehbar war" und dass die Überprüfung des kriminellen Hintergrunds vor der Einstellung des Täters "keine Verhaftungen, Verurteilungen oder sonstiges kriminelles Verhalten zeigte". Weiterhin führte man an, dass der Verurteilte "mehr als tausend abgeschlossene Serviceeinsätze mit null Kundenbeschwerden" durchgeführt hätte.

Siehe auch: Ermordeter Vegan-Aktivist entpuppt sich als vermisster Nazi-Spam-King
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