Cloudflare will nie mehr Internet- und Piraterie-Polizei spielen

Witold Pryjda, 02.09.2022 13:03 Uhr 12 Kommentare
Cloudflare ist aus dem heutigen Internet nicht mehr wegzudenken, es sichert schier unzählige Seiten gegen Angriffe und Ähnliches ab. Dabei wird dem Unternehmen vorgeworfen, nicht genug gegen Piraterie und bedenkliche Inhalte zu unternehmen. Doch das lehnt Cloudflare ab. Das Angebot von Cloudflare kann man mit diversen technischen Begriffen umschreiben, darunter CDN, Web Application Firewall, Domain Name Server, Reverse Proxy und Absicherung gegen DDoS-Angriffe. Es geht aber auch einfacher, nämlich kurz Schutz. Doch das ist auch der Grund, warum man immer wieder in der Kritik landet, denn Cloudflare interessiert sich nicht oder nur ganz selten, wem man seine Dienste bereitstellt.

Es kam bisher auch nur fast nie vor, dass Cloudflare von sich aus tätig wurde und die Geschäftsbeziehung zu einem Kunden auflöste. Wie TorrentFreak schreibt, war das 2017 der Fall, damals beschloss Cloudflare-CEO Matthew Prince, die Neonazi-Seite Daily Stormer hinauszuwerfen, auch 8Chan kündigte man später einseitig die "Freundschaft".


Entscheidung ging nach hinten los

Doch was eine konstruktive Debatte über Zensur und freie Meinungsäußerung im Internet auslösen sollte, so jedenfalls die Cloudflare-Anwälte später, führte zu Diskussionen, die das Netz-Unternehmen nicht wollte. So fragten unter anderem Urheberrechtsbesitzer, warum Cloudflare solchen Konten kündigen könne, nicht aber gegen Piraterie-Seiten vorgeht.

Auch wenn diese Ausnahmen moralisch völlig legitim waren: Argumentativ tat sich Cloudflare damit keinen Gefallen, denn diese Fälle wurden und werden rechtlich immer wieder verwendet, um zu begründen, warum ein bestimmter Schutzschirm eingezogen werden müsse. In den vergangenen Tagen wurde das wieder zum Thema, denn Cloudflare wurde aufgerufen, gegen das Troll-Forum Kiwi Farms vorzugehen.

Prince hat deshalb erneut einen Blogbeitrag veröffentlicht (via TorrentFreak), in dem er die Position seines Unternehmens darlegt. Als Hoster wird man nach wie vor entsprechend selbst tätig, als CDN und Co. wird Cloudflare aber von sich aus nicht mehr handeln: "Genauso wenig wie die Telefongesellschaft den Anschluss sperrt, wenn man schreckliche, rassistische, bigotte Dinge sagt, sind wir in Absprache mit Politikern, Entscheidungsträgern und Experten zu dem Schluss gekommen, dass es die falsche Politik ist, Sicherheitsdienste abzuschalten, weil wir Ihre Veröffentlichungen für verabscheuungswürdig halten", schreibt der Cloudflare-Chef. "Nur um das klarzustellen: Bloß weil wir es in einer begrenzten Anzahl von Fällen schon einmal getan haben, heißt das nicht, dass es richtig war, als wir es taten. Oder dass wir es jemals wieder tun werden."

Die Fälle The Daily Stormer and 8Chan waren laut Prince ein Eigentor, weil sie seither nicht nur von Urheberrechtsbesitzern als Argument verwendet werden, sondern auch von autoritären Regimen: "In einer zutiefst beunruhigenden Reaktion sahen wir nach den beiden Kündigungen einen dramatischen Anstieg autoritärer Regime, die versuchten, uns dazu zu bringen, die Sicherheitsdienste für Menschenrechtsorganisationen zu kündigen - wobei sie sich oft auf unsere eigene Rechtfertigung beriefen."

Siehe auch:
12 Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Verwandte Themen
Filesharing
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2022 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies