Google-Fonts-Abmahnungen: Strafanzeige gegen "Datenschutzanwalt"

Witold Pryjda, 26.08.2022 16:33 Uhr 19 Kommentare
In Österreich sorgen Massenabmahnungen im Zusammenhang mit Google-Fonts für Aufregung. Denn ein "Datenschutzanwalt" hat vermutlich tausende Abmahnungen verschickt, doch nun drohen ihm selbst rechtliche Konsequenzen - wegen ge­werbs­mä­ßi­gen Betrugs. Der Fall sorgt seit einigen Tagen für Aufregung, denn in Österreich werden Webseiten-Betreiber, die Google-Schriftarten nicht lokal, sondern über Google-Server nutzen, abgemahnt. Konkret wird den Empfängern dieser Schreiben ein Vergleichsangebot gemacht, gegen die Zahlung von 190 Euro - 100 Euro für die Mandantin, 90 Euro für den Anwalt - werde man sich nicht mit Schadenersatzansprüchen an die zuständige Datenschutzbehörde wenden.

Verantwortlich dafür ist der niederösterreichische Rechtsanwalt Marcus Hohenecker, dieser vertritt in dieser Causa eine Frau namens Eva Z. Diese beklagt, dass die Weitergabe der IP-Adresse an Google und der dazugehörige Kontrollverlust bei ihr "ein erhebliches Unwohlsein" auslöse. Insgesamt sollen an die 10.000 Abmahnschreiben verschickt worden sein.

Crawler und Co.

Doch es gab bereits früh Zweifel an dieser Darstellung, u. a. wurde vermutet, dass Z. die beanstandeten Seiten nicht selbst besuchte, sondern ein Crawler diese Arbeit übernommen hat. Wie derStandard berichtet, plant der Betroffenen-Anwalt Peter Harlander aktuell, eine Strafanzeige gegen Hohenecker und seine Mandantin einzubringen. Der Vorwurf lautet gewerbsmäßiger Betrug.

Laut Harlander habe man Hinweise, dass ein EDV-Unternehmen beteiligt war. Der Anwalt meint, dass die ersten Seiten tatsächlich persönlich besucht worden seien, woraufhin auch erste Abmahnungen verschickt worden sind. Als man "gesehen hat, dass die Leute zahlen", sei der Vorgang automatisiert worden, so Harlander, das betreffe auch die Anwaltsschreiben selbst.

Harlander hat auch Details zur Software: Als Crawler wurde Scrapy eingesetzt, das Impressum wurde per Net Estate erfasst. Letzteres konnte aufgrund von reproduzierbaren Fehlern nachgewiesen werden. Ähnliches gilt für Screenshots, denn es wurden auch Seiten im Wartungsmodus erfasst.

Hohenecker leugnet die Vorwürfe und meint zudem, dass es ohnehin keine Rolle spiele, ob und welche Software hier zum Einsatz gekommen sei: "Man bedient sich wohl immer einer Software, um aufs Internet zuzugreifen, sonst könnte man das gar nicht."

Siehe auch: "Datenschutzanwalt" verschickt Massenabmahnungen zu Google Fonts
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