Kaspersky: Wer seinen Job behalten will, soll in Russland bleiben

Christian Kahle, 24.08.2022 11:25 Uhr 37 Kommentare
Während zahlreiche Menschen, denen das Moskauer Regime das Leben immer schwerer macht, Russland verlassen haben, müssen die Mitarbeiter des Security-Dienstleisters Kaspersky wohl bleiben, wenn sie ihren Job behalten wollen. Im Grunde dürfte es für das Unternehmen kein größeres Problem darstellen, wenn beispielsweise Entwickler von einem anderen Standort aus arbeiten wollen. Immerhin verfügt man über 35 Niederlassungen in 31 Ländern. Trotzdem ist es für die russischen Beschäftigten nach Informationen des US-Magazins Motherboard nicht möglich, in ein anderes Land umzuziehen.

Dem Vernehmen nach haben mehrere Quellen unabhängig voneinander bestätigt, dass man den Mitarbeitern seitens des Managements nahelegte zu kündigen, wenn man plant, Russland den Rücken zu kehren. Dies sei zumindest die Ansage gewesen, wenn Beschäftigte darum baten, intern zu einer anderen Niederlassung im Ausland versetzt zu werden. Diese Haltung zieht sich durch das Management und kommt offenbar von ganz oben.


Dem Konzerngründer Eugene Kaspersky geht es dabei aber weniger darum, den Kurs der Regierung in Moskau unbedingt mittragen zu wollen. Vielmehr scheint er es als mangelnde Loyalität ihm selbst gegenüber zu empfinden, wenn Angestellte unter den gegebenen Bedingungen nicht mehr in Russland leben wollen. "Wenn der Kapitän auf dem Schiff bleibt, sollte das Team auch auf dem Schiff bleiben. Egal, wie das Wetter ist", soll der Chef sinngemäß auf einer Betriebsversammlung erklärt haben, als Teilnehmer dort die Möglichkeit einer Versetzung ansprachen.

Bewerbungen möglich

"Ich wurde nur deshalb gebeten zu kündigen, weil ich beschlossen habe, nach dem 24. Februar aus Russland zu fliehen, während ich problemlos aus der Ferne weiterarbeiten könnte", so einer der ehemaligen Mitarbeiter gegenüber Motherboard. "Warum wollte ich fliehen? Das ist ganz einfach. Ich bin nicht einverstanden mit dem, was hier passiert. Ich fühle mich schuldig und verantwortlich für all diese verrückten Morde. Dieser Krieg ist eine Katastrophe."

Darüber hinaus habe sich auch das Leben in Russland seit dem 24. Februar komplett verändert. Das reicht von der schlechter gewordenen Versorgung aufgrund der Sanktionen bis hin zu den immer weiter fortschreitenden Repressalien gegenüber allen, die nicht auf Linie des Regimes sind. Das sei für viele der Anstoß gewesen, darüber nachzudenken, ihre Heimat zu verlassen. Dass es dafür keinerlei Unterstützung seitens des Unternehmens gibt, war offenkundig eine enttäuschende Erfahrung.

Seitens des Unternehmens wird dies allerdings dementiert. Demnach könnten sich Mitarbeiter - auch die aus den russischen Büros - um Versetzungen weltweit bewerben. Möglich sei das zumindest, wenn dort jeweils eine entsprechende Stelle frei ist und besetzt werden soll. Die bisherige Arbeit einfach von einem anderen Standort aus zu erledigen, scheint hingegen keine Option darzustellen.

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