Verrückter Betrug: Ex-Entwicklungschef klaut Qualcomm 150 Mio. Dollar

Nadine Dressler, 14.08.2022 13:04 Uhr 7 Kommentare
Der Chip-Riese Qualcomm soll durch einen ehemaligen Mitarbeiter um 150 Millionen Dollar erleichtert worden sein. Details dazu hat das Justizministerium der Vereinigten Staaten jetzt veröffentlicht, es geht um einen Betrugsfall und um Geldwäsche. Qualcomm ist offenbar Opfer eines ausgeklügelten Betrugs geworden. Wie die Los Angeles Times berichtet, hat die Bundesregierung schon im Mai Anklage gegen den ehemaligen Qualcomm-Forschungsleiter Karim Arabi und drei weitere Personen aus seinem Umfeld erhoben. Alle wurden in den letzten Tagen verhaftet und die Klage offengelegt.

Karim Arabi war dabei seit 2007 bei Qualcomm beschäftigt und ist 2016 aus dem Unternehmen ausgeschieden. Zuletzt war er als Vizepräsident der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Konzerns tätig. In dieser Position soll er Qualcomm dazu gebracht haben, für eine Technologie 150 Millionen Dollar zu zahlen, die dem Unternehmen rein rechtlich bereits gehörte.

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"Verdeckter" Erfinder

Dazu soll er eine Scheinübernahme eingefädelt haben: Der Betrug fand im Jahr 2015 statt. Laut der Anklage hatte Arabi eine schnellere Methode zum Testen von Prozessoren entwickelt. Ausgegeben wurde die Entwicklung allerdings nicht als sein geistiges Eigentum, denn dann wäre die Erfindung laut Arbeitsvertrag Qualcomm zugesprochen worden.

Stattdessen schmiedete Arabi laut der Anklage den Plan, eine kanadische Doktorandin (in Wirklichkeit Arabis Schwester) als Erfinderin anzugeben und die Methode über ein Start-up-Unternehmen zu vermarkten. Arabi verheimlichte angeblich seine Beteiligung während des gesamten Prozesses, seine Schwester änderte dafür sogar ihren Namen.

Es drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis

Qualcomm übernahm das Start-up dann auf Empfehlung ihres Forschungs- und Entwicklungsleiters, der sich den Gewinn dann mit seinen Komplizen geteilt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Quartett außerdem vor, Geld gewaschen zu haben, unter anderem durch zinslose Darlehen und den Kauf von Auslandsimmobilien. Die Strafen könnten hoch sein, wenn das Gericht Arabis Gruppe verurteilt. Jedem von ihnen drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis und Geldstrafen in Höhe von entweder 250.000 Dollar oder dem Doppelten des durch den Betrug erzielten Gewinns.

Qualcomm verklagte Arabi, seine Schwester und den CEO des Start-ups bereits im Jahr 2017. Dieser Fall wurde laut der Los Angeles Times schon 2018 allerdings abgewiesen und Qualcomm soll keine weiteren rechtlichen Schritte gegen Arabi eingeleitet haben.

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