Ukraine schaltet russische Bot-Farm aus, die Fake-News verbreitete

Nadine Dressler, 06.08.2022 14:30 Uhr
In der Ukraine ist eine Bot-Farm aufgeflogen, die im Auftrag der russischen Regierung massiv Desinformationen verbreitete. Der ukrainischen Cyberpolizei (SSU) gelang es, rund 5.000 SIM-Karten und 200 Proxyserver zu beschlagnahmen. Es ist nicht der erste derartige Fall. Die ukrainische Cyberpolizei hat vor allem in den letzten Wochen einige ähnliche - meist von der russischen Armee aufgebaute - Netzwerke in der Ukraine entdeckt und geschlossen.

Bei dem aktuellen Fall handele es sich aber um die bisher größte aufgespürte Bot-Farm und damit um einen besonders bedeutsamen Schlag gegen die Verbreitung von Kriegsgeschehen betreffenden Fake News. Der SSU schreibt, dass das Ziel der Farm darin bestand, die ukrainische Führung zu diskreditieren und die soziale und politische Situation des Landes zu destabilisieren.

Im Visier russischer Hacker
Infografik: Im Visier russischer Hacker

Der Betrieb, der heimlich in der Hauptstadt Kiew, in Charkiw und in Winnyzja operierte, unterhielt über eine Million Bot-Konten und mehrere Gruppen in sozialen Netzwerken mit fast 400.000 Nutzern.

Ausgeklügeltes System

Der SSU fand außerdem mindestens 5.000 SIM-Karten, mit denen gefälschte Social-Media-Konten erstellt und unterhalten wurden, sowie 200 Proxyserver, um IP-Adressen zu fälschen und zu vermeiden, dass sie von Websites gesperrt werden. Der Anführer der Gruppe, die vermutlich hinter der Farm steht, ist ein russischer Staatsbürger, der in Kiew gelebt hat und sich als "politischer Experte" bezeichnet, schreibt der SSU.

Die Cyberpolizei der Ukraine hatte vor einiger Zeit eine erste Statistik veröffentlicht, welche Angriffe die SSU seit dem Einmarsch Russlands in das Land aufgedeckt und aufgehalten hat. Dazu gehörte die Stilllegung von fünf Bot-Farmen, die 100.000 Konten in den sozialen Medien betrieben, auf denen gefälschte Nachrichten über den Einmarsch und über das aktuelle Kriegsgeschehen verbreitet wurden. Weiterhin wurden rund 1.200 Hacker-Angriffe auf staatliche und strategische kritische Infrastrukturen gestoppt.

Zudem wurden mehr als 500 prorussische YouTube-Kanäle mit mehr als 15 Millionen Abonnenten auf Ersuchen des SSU blockiert und mehr als 1.500 Telegram-Kanäle sowie ebenso viele Instagram-, Facebook- und TikTok-Konten zur Sperrung eingereicht. Bei allen drehte sich der Inhalt um die Verbreitung von Desinformationen.

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