Das eigentliche Problem der Energiewende wird das Kupfer

Christian Kahle, 18.07.2022 15:14 Uhr 53 Kommentare
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Wenn es um die Energiewende geht, gibt es immer wieder Spe­ku­la­tio­nen darüber, dass bestimmte Rohstoffe knapp werden könn­ten. Das Problem sind aber weder Kobalt noch Seltene Er­den oder gar Lithium - sondern schlicht das scheinbar all­ge­gen­wär­ti­ge Kupfer. Das Metall findet sich nahezu überall, wo es darum geht Strom zu leiten. Und entsprechend groß ist der Bedarf, wenn quasi alle Bereiche, in denen Energie genutzt wird, elektrifiziert werden sollen. Laut einer Marktanalyse des Finanzdienstleisters S&P Global gibt es aus Sicht der Ressourcen-Versorgung vor allem ein Kupfer-Problem für die Realisierung einer globalen Klimaneutralität bis zum Jahr 2050.

Die Klimaziele bleiben demnach "unerreichbar", wenn keine neuen Vorkommen erschlossen würden. Denn Solarkraftwerke brauchen doppelt so viel, Offshore-Windkraftanlagen sogar fünfmal so viel Kupfer pro Megawatt installierter Leistung wie fossil angetriebene Kraftwerke. Und Elektrofahrzeuge benötigten das 2,5-fache dessen, was in einem Verbrenner verbaut ist.


Bedarf explodiert

"Die Energiewende wird viel stärker von Kupfer abhängig sein als unser derzeitiges Energiesystem", sagte Daniel Yergin, stellvertretender Vorsitzender von S&P Global, gegenüber dem US-Sender CNBC. "Man ist einfach davon ausgegangen, dass Kupfer und andere Mineralien schon vorhanden sein werden. Kupfer ist aber eben das Metall der Elektrifizierung, und die Elektrifizierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende."

Der Bericht prognostiziert, dass sich der Kupferbedarf bis 2035 auf 50 Millionen Tonnen fast verdoppeln wird. Bis 2050 wird die Nachfrage mehr als 53 Millionen Tonnen erreichen. Um diese Zahl in die richtige Perspektive zu rücken, merkte S&P Global an, dass dies "mehr ist als das gesamte zwischen 1900 und 2021 weltweit verbrauchte Kupfer". Und den Bedarf kann man nicht einfach flexibel durch kurzfristig eröffnete neue Minen decken. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur dauert es im Durchschnitt 16 Jahre, bis eine neue Kupfermine in Betrieb genommen werden kann.

Allerdings beruhen die pessimistischen Prognosen auf der Annahme, dass alles so weiterläuft wie bisher. Der Bericht bietet auch Perspektiven, wie sich das Problem lindern oder gar ganz beheben lässt. Dafür müssten die vorhandenen Minen effektiver werden und vor allem das Recycling wäre in größerem Umfang nötig.

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