James Webb kann nicht nur weit gucken: So sieht es den Jupiter

Christian Kahle, 15.07.2022 19:08 Uhr
Der neue Star am Nachthimmel - das James Webb Space Te­les­cope - kann nicht nur sehr weit in unser Universum hi­naus­bli­cken. Auch kurze Distanzen bekommt das System sehr gut hin, wie erste Test-Aufnahmen aus der Kalibrationsphase zeigen. In den letzten Tagen hat die NASA atemberaubende Fotos von Nebeln, Galaxiengruppen und sogar den bisher "tiefsten" Blick in das Universum veröffentlicht - alles aufgenommen vom frisch in Betrieb genommenen James Webb-Teleskop. Jetzt hat die Organisation Bilder von etwas veröffentlicht, das viel näher an unserem Zuhause liegt: Als die Ingenieure das System kalibrierten, machten sie auch Aufnahmen vom Jupiter, um herauszufinden, ob das neue Observatorium auch zur Beobachtung von nahen Himmelsobjekten wie Monden, Asteroiden und Planetenringen und Satelliten eingesetzt werden kann. Wie sich herausstellte, lautet die Antwort: Ja.

Webb: Aufnahmen des Jupiter
Jupiter mit 2,12-Mikrometer- und...


Webb: Aufnahmen des Jupiter
...3,23-Mikrometer-Filter

Ein Foto, das mit dem Kurzwellenfilter der Nahinfrarotkamera (NIRCam) des Teleskops aufgenommen wurde, zeigt deutlich die Strukturen des Gasriesen Jupiter und seinen Mond Europa. Der Große Rote Fleck ist ebenfalls gut zu erkennen, auch wenn er hier weiß erscheint. Immerhin nimmt das Webb-Teleskop im Infrarot-Bereich auf und alle uns sichtbaren Farben werden über eine nachträgliche Bearbeitung hinzugefügt.


Bei Verwendung des 2,12-Mikrometer-Filters des NIRCam-Instruments zeigte das Bild die jovianischen Monde Europa, Thebe und Metis und sogar den Schatten von Europa in der Nähe des Großen Roten Flecks. Und als das Team den 3,23-Mikrometer-Filter der NIRCam verwendete, zeigte das Bild einige der Ringe des Jupiters.

"Zusammen mit den neulich veröffentlichten Deep-Field-Bildern zeigen diese Aufnahmen von Jupiter die ganze Bandbreite dessen, was Webb beobachten kann - von den schwächsten, am weitesten entfernten Galaxien bis hin zu Planeten in unserem eigenen kosmischen Hinterhof, die man mit bloßem Auge sehen kann."

Das Team versuchte sich auch an Fotos von Asteroiden im Asteroidengürtel. Das Problem besteht hierbei darin, dass diese so nah am engen Fokus des Teleskops sind, dass sie sich recht schnell durch das Sichtfeld bewegen und kaum längere Zeit belichtet werden können. Trotzdem konnte Webb hier Daten sammeln - insbesondere für die Spektralanalyse des reflektierten Lichts, was Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der beobachteten Objekte erlaubt.

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