Handwerks-Zulieferer Würth will Strom statt Gas - aber die Teile fehlen

Christian Kahle, 15.07.2022 16:22 Uhr 14 Kommentare
Die Entwicklung auf dem Energiemarkt sorgt nun doch dafür, dass Industrie-Unternehmen die Umstellung von Gas auf Strom angehen. Allerdings zeigt sich dabei, dass das Zögern auch dazu führte, dass man nun nicht schnell genug an die nötigen Bauteile kommt. "Wir kommen weg vom Gas. Schnell geht aber nichts", zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung Robert Friedmann, den Chef des Handwerks-Zulieferers Würth. Dieser hat damit begonnen, die Öfen, in denen Schrauben gehärtet werden, auf elektrische Energie umzustellen. Dabei zeigt sich allerdings, dass man nicht von heute auf morgen vom bisher genutzten Erdgas wegkommt. "Die benötigten Bauteile haben aber eine Lieferzeit von zwölf Monaten", so Friedmann.


Am Geld hapert es bei der Elektrifizierung nicht. Würth hat bereits vier strombetriebene Öfen im Einsatz, drei weitere werden mit Gas befeuert. Deren Austausch kostet pro Ofen etwas über eine Million Euro. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres allerdings um 17 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro und den operativen Gewinn um 200 Millionen auf 720 Millionen Euro steigern. Die finanziellen Mittel für die Investition sind also vorhanden.

Strom ist teurer

Die Elektro-Öfen benötigen außerdem die gleiche Menge an Energie, um die benötigten 900 Grad Celsius zu erreichen. Wenn die Umstellung abgeschlossen ist, benötigt Würth pro Jahr 12 Millionen Kilowattstunden weniger an Erdgas, das ist etwa der Bedarf von tausend Haushalten. Allerdings ist der Strom derzeit noch deutlich teurer als das Gas, was am Ende aber auch keinen entscheidenden Unterschied macht - insbesondere nicht angesichts der Gesamtentwicklung des Marktes, in dem das Unternehmen aktiv ist.

Friedmann unterstützt trotzdem die Forderung, die Priorisierung der Gas-Verteilung bei Verknappungen aufzuheben. "Es nützt nichts, wenn Haushalte warm sind, aber systemkritische Unternehmen die Versorgung nicht mehr sicherstellen können", sagte er. Nach aktueller Gesetzeslage werden bei unzureichenden Reserven zuerst die Haushalte der Bürger beliefert und Industrien müssen im Zweifelsfall ihre Fertigung reduzieren.

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