Groß-Akkus der Microsoft-Datenzentren stabilisieren jetzt Stromnetze

Christian Kahle, 08.07.2022 08:22 Uhr 8 Kommentare
Microsoft steigt mit seinen Datenzentren jetzt auch in das Stromgeschäft ein. In Irland wird der Redmonder Konzern jetzt zu einem Anbieter von Regelleistung. Die großen Strom-Puffer der Anlagen werden nun also auch das öffentliche Netz stabilisieren. Insbesondere in einer Zeit, in der Microsoft als Cloud-Anbieter die kritische Infrastruktur für zahlreiche Kunden bereitstellt, wird von den Datenzentren eine hohe Ausfallsicherheit verlangt. Die Verfügbarkeit der Server liegt nach Angaben des Unternehmens bei 99,999 Prozent. Um einen solchen Wert zu ermöglichen, ist es nötig, die gesamte Anlage notfalls über Stunden mit einer unabhängigen Stromversorgung betreiben zu können. Diese bestand früher in der Regel aus Diesel-Aggregaten, heute sind hingegen große Batterie-Blöcke an deren Stelle getreten.


Die Investitionen in solche Speichersysteme sind vergleichsweise hoch und normalerweise stehen sie nur in Bereitschaft, bis sie vielleicht eines Tages benötigt werden. Daher hat Microsoft die Firma Eaton ins Boot geholt, die sich auf Technologien für intelligentes Energiemanagement spezialisiert hat. Gemeinsam wurden in den letzten Monaten Tests durchgeführt, inwiefern sich die großen Batterie-Bänke nutzen lassen, um als Anbieter von Regelleistung für das öffentliche Stromnetz zu fungieren.

Schwankungen ausgleichen

Diese Regelleistung wird von den großen Stromnetzbetreibern benötigt, um Schwankungen in Angebot und Nachfrage ausregulieren zu können. Während auf der Nachfrage-Seite schon immer kurzzeitige Schwankungen auftreten konnten, geschieht dies auch auf der Angebots-Seite häufiger, da die regenerativen Quellen - in Irland sind dies vor allem Windkraftanlagen - nicht durchgängig die gleiche Produktionsleistung erbringen. In der Praxis zeigt sich, dass nicht zwingend mehr kurzfristige Regelleistung benötigt wird, da beispielsweise auch die Verbrauchs-Prognosen immer besser werden, die Flexibilität muss allerdings weiter steigen. Und insbesondere dafür sind Batterie-Speicher gut geeignet, da sie keine Zeit zum Hochfahren benötigen, sondern Strom bei Bedarf sofort bereitstellen können.

Die Tests und Optimierungen der letzten Zeit waren erfolgreich, so dass Microsoft nun einen offiziellen Vertrag mit der irischen Regierung abschließen konnte. Auf dessen Grundlage wird es zukünftig nun also so aussehen, dass Microsoft seine großen Akkus in den Datenzentren mit Ökostrom aus den Windparks auflädt und bei Schwankungen im öffentlichen Netz die Energie bereitstellt, mit der die Versorgung ausreguliert werden kann. Damit leistet das Unternehmen nicht nur einen Beitrag für den Umbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende, sondern hat auch eine Möglichkeit gefunden, mit den meist nur herumstehenden Speicher-Anlagen Geld zu verdienen. Zukünftig will man diesen Weg außerdem auch in anderen Regionen der Welt gehen.

Siehe auch: Grid-Storage: Preis für Stromnetz-Akkus sank in drei Jahren um 70%
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