Macher markiert Film als "ab 18", Youtube zeigt ihn prompt Kindern

John Woll, 07.07.2022 15:30 Uhr 8 Kommentare
Youtube macht Kindern aktuell eine Empfehlung, die so gar nicht altersgerecht ist. Der Macher eines kleinen Horror-Clips hatte diesen klar als solchen markiert, trotzdem spielt die Plattform ihn explizit für Kids aus. Und dann verhindert man auch noch jeglichen Eingriff des Erstellers.

Horror als Inhalt für Kinder erkannt: YouTube tagged mal wieder wild

Youtube war in der Vergangenheit schon wiederholt wegen seines Systems zur Kategorisierung in die Kritik geraten, hatte es unter anderem doch dafür gesorgt, dass Videos zu Verschwörungsglauben und Wissenschaftsleugnung in die Feeds sehr vieler Nutzer gespült wurden. Jetzt hat man hier ein Problem, welches einmal mehr deutlich macht, dass automatisierte Systeme schnell an ihre Grenzen kommen können. Blöd nur, wenn man dann noch nicht mal eingreifen kann.

So macht der Filmemacher Kris Straub aktuell seinem Ärger auf Twitter Luft. Er hatte auf seinen Kanal "LOCAL58TV" einen Schwarz-Weiß-Comic mit einer Länge von rund 3 Minuten hochgeladen. Der Inhalt: Ein kleines Skelett wandert über einen Friedhof, legt sich in ein Grab und stirbt allein. In der Videobeschreibung ergänzt der Macher "nicht für Kinder". Wäre da nicht ein kleines Problem: Der zugegeben missverständliche Titel des Clips "Show for Children" ist für Youtube ausreichend Anlass, den Clip automatisch als kindgerecht zu markieren.

Und damit nicht genug: Wegen dieser Einordnung wird der Clip außerdem in der eigenen Youtube-Kinder-App ausgespielt, die das Unternehmen damit bewirbt, dass hier nur für kleine Augen optimierte, sichere Inhalte zu sehen sind.

Alles hilft nicht

Wie Straub betont, ist es aber eine weitere Tatsache, die ihn besonders verärgert. Beim Upload hatte er seinen Clip entsprechend im System als "ab 18" markiert. Youtube hat diese Einstellung allem Anschein nach einfach eigenständig auf "für Kinder gemacht" geändert.

Doch um wieder eine entsprechende Anpassung an seinem eigenen Werk zu erreichen, muss Straub jetzt einen "Antrag" bei Youtube einreichen, selbst kann er die Veränderungen nicht vornehmen. Mittlerweile hat Youtube - sicher auch wegen der Aufmerksamkeit, die das Problem erhalten hat - das Video wieder wie vom Macher gewünscht eingestuft.

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