Erste kommerzielle Sand-Batterie speichert Energie über Monate

Christian Kahle, 06.07.2022 11:21 Uhr 29 Kommentare
HIGHLIGHT
In Finnland hat man eine überraschend einfache und billige Lö­sung gefunden, wie überschüssige Energie, die in den Som­mer­mo­na­ten mit Wind­kraft und Photovoltaik gewonnen wird, in die schwie­ri­gen Win­ter­mo­na­te mitgenommen werden kann. In der Stadt Kankaanpää hat ein Team junger Ingenieure den ersten kommerziell genutzten Energiespeicher aus Sand installiert und in Betrieb genommen. Dieser öffnet einen Weg, mit dem billigen Ökostrom aus den warmen und hellen Monaten des Jahres im Winter zahlreiche Haushalte mit Heizenergie zu versorgen. Und dies funktioniert auch noch ohne den Einsatz komplizierter Technik oder teurer Rohstoffe.

Mit der überschüssigen Energie aus den Windkraft- und Solaranlagen der Region wird hier im Sommer Luft erhitzt, die man durch ein großes Silo leitet. Der darin enthaltene Sand wird mit der Zeit auf bis zu 500 Grad Celsius erwärmt. Dabei macht man sich die Tatsache zunutze, dass der Sand die Wärme ziemlich effektiv speichert und auch über Monate hinweg nur recht wenig Energie verliert.

Schema der Funktionsweise des Sand-Batterie-Projekts
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Wenn die Energie im Winter knapper wird, weil vor allem die Solaranlagen nur noch wenig Strom liefern, holt man die gespeicherte Wärme wieder aus dem Silo heraus. Sie wird hier nun genutzt, um Wasser zu erhitzen und die Haushalte, Büros und auch das Schwimmbad Kankaanpääs mit Fernwärme zu versorgen.

Wärme macht viel aus

Der Sand-Speicher birgt wenig Potenzial, um die Energie aus dem Sommer auch aufzubewahren, um im Winter Strom zu bekommen. Dafür sind die Verluste während der Umwandlungsschritte zu groß. Allerdings macht das Heizen ohnehin einen enormen Anteil am gesamten Energiebedarf der Verbraucher aus, so dass solche Langzeitspeicher einen wichtigen Beitrag zur Energiewende liefern können.

In Kankaanpää wurde das System auf dem Gelände des lokalen Heizkraftwerkes installiert. Dieses stellte bisher ebenfalls schon Fernwärme zur Verfügung, die allerdings komplett aus fossilen Energieträgern stammte. Das wird sich im kommenden Winter ändern.

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