Cygnus-Frachter meistert Reboost: ISS nicht mehr von Russen abhängig

Christian Kahle, 29.06.2022 18:23 Uhr 18 Kommentare
Die Internationale Raumstation ISS ist nicht mehr länger auf die russischen Progress-Frachter angewiesen, um sich in ihrem Orbit halten zu können. Erstmals wurde auch ein neuer Raumschiffstyp erfolgreich als Triebwerk erprobt. Es handelt sich hier um die neuen Cygnus-Frachter, die vom US-Konzern Northrop Grumman entwickelt wurden. In der vergangenen Woche hatte man bereits einen Test gestartet, diesen aber nach einigen Sekunden abgebrochen. Ein zweiter Probelauf am Samstag war hingegen erfolgreich und die ISS konnte erstmals in einem vollständigen Reboost-Vorgang von einem Cygnus-Frachter zurück auf die normale Betriebshöhe gebracht werden.

Northrop Grumman: Cygnus-Frachter
Cygnus-Frachter an der ISS

Wie alle Objekte im erdnahen Orbit, also in einer Höhe von wenigen hundert Kilometern, fliegt die ISS noch in sehr dünnen Resten der Erdatmosphäre. Dadurch wird sie mit der Zeit immer weiter geringfügig abgebremst, was gleichbedeutend mit einem Absinken Richtung Erde ist. Daher müssen regelmäßig Reboosts durchgeführt werden, die die Raumstation wieder ein wenig beschleunigen und in einen etwas höheren Orbit steigen lassen.

Diese Aufgabe wurde bisher mit den russischen Progress-Frachtern durchgeführt. Die angedockten Raumschiffe zünden ihr Triebwerk und schieben die gesamte Konstruktion der Raumstation, die über keinerlei eigene Antriebstechnik verfügt, an. Das ist eine durchaus beeindruckende Leistung: Der Cygnus-Frachter ist gerade einmal 5,1 Meter lang und hat einen Durchmesser von 3 Metern. Das aktuell angedockte Modell hatte 3765 Kilogramm Nutzlast zur Raumstation gebracht - darunter Lebensmittel für die Besatzung, wissenschaftliche Experimente und einiges mehr. Die von Cygnus angeschobene Station ist hingegen über 70 Meter lang und 109 Meter breit und bringt es auf eine Masse von 440 Tonnen.

Als die Fähigkeit des neuen Frachters als Antrieb geplant wurde, war noch nicht absehbar, wie nötig diese Funktionalität eines Tages sein könnte. Jetzt stellt der erfolgreiche Test eine Garantie dar, die Raumstation notfalls auch ohne russische Raumschiffe im Orbit halten zu können.

Siehe auch: Start geglückt: Boeings Starliner-Raumkapsel auf dem Weg zur ISS
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