Ingenieure stehen vor Rätsel: Voyager 1 schickt aktuell seltsame Daten

John Woll, 19.05.2022 16:52 Uhr 56 Kommentare
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Voyager 1 gibt den Ingenieuren aktuell ein Rätsel auf. Die Raum­son­de schickt weiter fleißig Daten und scheint auch sonst nor­mal zu funktionieren - wäre da nicht ein Bordsystem, dessen Ver­hal­ten ein­fach nicht er­klärt werden kann.

Seit 45 Jahren unterwegs, aktuell mit einem Problem an Bord

Seit 1977 ist Voyager 1 auf der Reise durch das Sonnensystem - und rauscht mittlerweile schon Richtung interstellaren Raum. In mehr als vier Jahrzehnten hat die Raumsonde und damit auch ihre hochempfindliche Technik eine außergewöhnliche Ausdauer bewiesen.

Jetzt sorgt ein Teil der Bordsysteme bei den Ingenieuren aber für echtes Kopfzerbrechen. Während fast alle verfügbaren Daten dafür sprechen, dass es Voyager 1 sehr gut geht, liefert das sogenannte "Attitude Articulation and Control System" (AACS), Anzeigen, die sich nicht erklären lassen.

Voyager 1
Ansich geht es Voyager 1 ganz gut, nur das AACS spinnt

Das AACS, übersetzt in etwa Lagebestimmungs- und Kontrollsystem, hat die Aufgabe, die Ausrichtung der Sonde zu steuern. Das ist unter anderem nötig, um für eine zuverlässige Datenübertragung die Antenne von Voyager 1 genau auf die Erde auszurichten. "Alles deutet darauf hin, dass das AACS noch funktioniert, aber die Telemetriedaten, die es zurücksendet, sind fehlerhaft", so das Jet Propulsion Laboratory in einem Bericht. Demnach wirken die Daten aus unbekannten Gründen wie "zufällig generiert" und spiegeln damit einen Zustand wider, in denen sich das AACS überhaupt nicht befinden kann.

Voyager 1

Das muss man im Auge behalten

Jetzt gilt es für das Team, die erhaltenen Daten genauer zu analysieren und darüber Rückschlüsse auf die Grundlage zu erhalten. So ist unter anderem denkbar, dass nicht das AACS selbst, sondern ein anderes System Probleme bereitet, das an der Erzeugung und Übertragung von Telemetriedaten beteiligt ist. Diese Arbeit steht aktuell aber ganz am Anfang, sodass noch keine Aussagen über mögliche Langzeit-Auswirkungen getroffen werden können.

Auch wenn die Daten Rätsel aufgeben, ist dies laut Suzanne Dodd, Projektleiterin für Voyager 1 und 2 am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Südkalifornien, keine große Überraschung. "Die Raumsonden sind beide fast 45 Jahre alt, was weit über das hinausgeht, was die Planer der Mission erwartet haben. Außerdem befinden wir uns im interstellaren Raum - einer Umgebung mit hoher Strahlung, in der noch keine Raumsonde zuvor geflogen ist", so Dodd.

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