Russland: Xiaomi, Honor & Co profitieren vom Krieg gegen die Ukraine

Roland Quandt, 20.04.2022 14:07 Uhr 8 Kommentare
Während sich immer mehr Marken und Hersteller aus Russland zurückziehen, können chinesische Anbieter sich über steigende Marktanteile freuen. Dies gilt auch bei Smartphones, denn nach dem Abzug von Samsung und Apple springen Firmen wie Xiaomi und Honor in die Bresche. Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sich auch Samsung und Apple praktisch vollständig aus Russland verabschiedet. Apple vertreibt seine Hardware somit seit einigen Wochen nicht mehr offiziell in Russland und Samsung hat seine Aktivitäten dort ebenfalls eingestellt.

Russland: Xiaomi, Honor & Co profitieren vom Krieg gegen die Ukraine
Hersteller aus China führen die Verkaufsranglisten bei MTS genauso an...

Auch in Russland sind Smartphones jedoch ein gefragtes Gut, so dass die Kunden nun zwar aufgrund der unsicheren Lage in dem Land weniger Geräte kaufen, aber noch immer großes Interesse an neuen Modellen besteht. Anders als Apple oder Samsung haben vor allem chinesische Hersteller offenbar kein Problem damit, weiter in Russland aktiv zu sein.

Xiaomi, Honor und Realme führen weiterhin neue Modelle ein

So brachten Xiaomi, Honor und Realme seit Kriegsbeginn weiterhin unbeirrt neue Smartphones auf den russischen Markt. Das Xiaomi 12X startete zum Beispiel vor weniger als zwei Wochen in Russland und Honor brachte mit der Honor X7 und X8-Reihe ebenfalls erst kürzlich gleich zwei neue Produktreihen in Russland auf den Markt.

Russland: Xiaomi, Honor & Co profitieren vom Krieg gegen die Ukraine
...wie beim Elektronikhändler Mvideo

Das Interesse an den Geräten der chinesischen Hersteller ist offenbar groß. Schaut man sich bei den größten russischen Netzbetreibern und Elektronikhändlern um, stehen die Produkte von Xiaomi, Honor und Realme allesamt auf den Spitzenplätzen der Verkaufsranglisten. Angesichts der fehlenden Verfügbarkeit der Geräte von Apple, Samsung und anderen Marken ist dies allerdings keineswegs überraschend.

Preisexplosion durch schlechten Wechselkurs des Rubels

Dies lässt sich etwa beim Netzbetreiber MTS ebenso nachvollziehen wie bei den größten russischen Elektronikhändlern Svyaznoy, DNS Shop und Mvideo. Gleichzeitig haben die Preise aber auch kräftig zugenommen. Weil der Wert des Russischen Rubels in Folge der Sanktionen vieler Länder massiv gesunken ist, werden auch die chinesischen Produkte in kleineren Mengen nach Russland geliefert und sind dort deutlich teurer geworden.

Ein Beispiel ist erneut das Xiaomi 12X, das hierzulande für 569 Euro zu haben ist, in Russland aber umgerechnet mehr als 900 Euro kostet. Die Preisspirale dreht sich bei den wenigen noch verfügbaren Smartphones von Samsung und Apple unterdessen noch schneller. Schon Mitte März meldete die russische Statistikbehörde, dass die Preise innerhalb der drei Wochen seit Kriegsbeginn um bis zu 42 Prozent gestiegen waren. Bis heute sind die Preise um rund 50 Prozent gestiegen.

Markt für Gebraucht- und Refurbished-Hardware boomt

In einigen Regionen gab es laut der russischen Zeitung Kommersant einen regelrechten Run auf Smartphones und andere Mobiltelefone, heißt es. Inzwischen blüht der Handel mit gebrauchten und aufgearbeiteten Geräten in Russland. Der größte Netzbetreiber MTS bietet seit kurzem im großen Stil Refurbished-Geräte an, also überarbeitete Gebraucht-Smartphones. Die Zahl der privaten Verkäufe von gebrauchten Geräten stieg ebenfalls kräftig, so dass bei Plattformen wie VKontakte und Avito mittlerweile immer mehr Anzeigen zu finden sind, in denen gebrauchte Smartphones gehandelt werden.

Unterdessen kündigt sich bereits an, dass Russland auch in anderer Hinsicht immer weiter abgenabelt wird. Mit Huawei kündigte der größte Netzausrüster seinen Abschied aus Russland inzwischen ebenso an wie dessen Konkurrenten Nokia und Ericsson. Der Ausbau der russischen Mobilfunknetze kommt somit wohl sehr bald ins Stocken.
8 Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Verwandte Themen
Samsung Electronics
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2022 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies