Xavier Naidoo sagt sich von Spinnereien und Rechtsextremismus los

Witold Pryjda, 20.04.2022 09:09 Uhr 92 Kommentare
Xavier Naidoo war in den vergangenen Jahren der sicherlich prominenteste Verschwörungserzähler Deutschlands, es gab kaum eine Spinnerei, die der Sänger ausgelassen hat. Doch nun gibt er sich geläutert und sagt sich von allen Ver­schwö­rungen und auch dem Rechtsextremismus ab.

"War auf einem Irrweg"

Sänger, Verschwörungserzähler, Reichsbürger, Antisemit. Das ist die aktuelle Kurzbiografie des gebürtigen Mannheimers, der in den vergangenen Jahren zum Aushängeschild der rechten Szene wurde. Das hat sich in der Corona-Pandemie nur verstärkt, so mancher meinte, dass Naidoo nicht mehr von diesem, wie er nun selbst sagt, "Irrweg" abzubringen war.

Denn der 50-Jährige hat gestern Abend auf YouTube und anderen sozialen Medien ein Video veröffentlicht, in dem er sich gut drei Minuten lang von Rechtsextremismus und Verschwörungsmythen lossagt. "Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe", so Naidoo. "Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue."

Zum Umdenken haben u. a. der aktuelle Krieg Russlands mit der Ukraine geführt, dieser habe ihn "bestürzt und aufgerüttelt", sagt Naidoo, dessen Frau aus der Ukraine stammt. "Aus diesem wunderschönen Land musste ich jetzt Familie und Freunde rausholen, weil dort Angst und Schrecken herrschen."



Weil die Welt "kopfstehe", habe das auch in ihm einen Denkprozess ausgelöst und er habe die eigenen Ansichten und Meinungen hinterfragt, so der Sänger. Auf seiner Suche nach der Wahrheit hat er sich eigenen Angaben nach zuvor "verrannt", so Naidoo: "Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage."

"Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue", so der Sänger weiter, der sich bei allen entschuldigt, die er vor den Kopf gestoßen und verletzt habe. "Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar. Und ich verurteile diese aufs Schärfste."

Meint Naidoo es ernst?

In sozialen Medien ist diese 180-Grad-Kehrtwende natürlich das Thema der Stunde, es gibt erwartungsgemäß viele, die ihm diese plötzliche Einsicht kategorisch nicht abnehmen. Andere Kritiker sind diesbezüglich offener, meinen aber, dass Naidoo erst beweisen müsse, dass er es ernstmeint. Tenor: "Ein dreiminütiges Video reicht nicht."

Siehe auch: Senf dazu - Xavier Naidoo meint, Impfen führt zur Zombie-Apokalypse
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