Gas-Abhängigkeit: Bayern fordert Kohle- und Kernkraft-Verlängerung

Christian Kahle, 18.03.2022 15:57 Uhr 22 Kommentare
Bayern blockiert bereits über viele Jahre den Ausbau einer regenerativen Energieversorgung und bekommt nun Angst, dass man jetzt massive Probleme bekommen könnte. Denn kein anderes Bundesland ist aktuell so abhängig von Gas-Importen aus Russland. In einer Erklärung, die im Zuge eines Treffens des Bundeskanzlers Olaf Scholz mit den Länderchefs von der bayerischen Vertretung zu Protokoll gegeben wurde (via Heise), fordert man jetzt die Verlängerung der Laufzeiten von Kohle- und Kernkraftwerken und mehr. "Nötig ist daher darüber hinaus eine Verlängerung der Laufzeiten der laufenden bzw. eine Wiederinbetriebnahme der zum 31.12.2021 außer Betrieb genommenen Kernkraftwerke für zumindest drei Jahre", hieß es.

Bayern hat im letzten Jahr russisches Erdgas für 5,6 Milliarden Euro eingekauft - das ist der mit Abstand höchste Betrag. Auf den dahinterliegenden Plätzen folgen Brandenburg mit 3,8 Milliarden und Hessen mit 3 Milliarden Euro. Die Landesregierung unternahm bisher auch wenig Anstrengungen, daran etwas zu ändern. Der Windkraft-Ausbau wurde beispielsweise durch starre Abstandsregelungen so stark ausgebremst, dass es im Grunde kaum Gebiete gibt, in denen Anlagen aufgestellt werden könnten.

Bund soll es nun richten

Statt daran aber umgehend etwas zu ändern, wird in dem Papier nun von der Bundesregierung gefordert, "weitere Verbesserungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf den Weg" zu bringen. Das betrifft beispielsweise die so genannten Südquoten. Mit diesen sollen Windkraft-Betreiber in Bayern mehr Geld für die Einspeisung bekommen als die Betreiber im Norden, weil die Anlagen hier oft nur zu höheren Kosten gebaut werden können als in den flachen Ebenen des Nordens.

Wie problematisch die Verweigerungshaltung Bayerns der letzten Jahre noch werden kann, zeigt sich aktuell aber auch über die Krisen-Situation rund um die Ukraine hinaus. Eine ähnliche Blockade-Haltung gab es nämlich auch in Sachsen. Und dies war einer der wesentlichen Gründe, warum das Bundesland letztlich nicht den Zuschlag für die Milliarden-Investition des Chipkonzerns Intel erhielt. Laut Intel-Manager Keyvan Esfarjani würde man für die Fertigungslinien zu hundert Prozent Ökostrom benötigen. In Sachsen dürfte dies ein Problem darstellen.

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