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Offener Brief:
Kaspersky antwortet dem BSI und übt scharfe Kritik

Seit dem Beginn des Angriffs auf die Ukraine steht Russland und viele Unternehmen des Landes in Verdacht, mit dem Putin-Re­gime zusammenzuarbeiten. Die Folge sind Sank­tio­nen gegen rus­si­sche Firmen. Auch Kaspersky steht un­ter Verdacht, doch der An­ti­vir-Anbieter wehrt sich.
17.03.2022  12:45 Uhr

Kaspersky ist "Risiko"

Am vergangenen Dienstag hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Warnung in Richtung des russischen Sicherheitsunternehmens Kaspersky ausgesprochen. Der Hersteller von Software gegen Viren und sonstige Malware stelle ein "besonderes Risiko" dar. Grund dafür sei das "Vorgehen militärischer und/oder nachrichtendienstlicher Kräfte in Russland" sowie die russischen Drohungen gegen Deutschland und andere Länder im Westen. Eine konkrete "Smoking Gun" hat das BSI allerdings nicht, Kaspersky wurde also nicht "auf frischer Tat" ertappt oder ähnliches. Man warnt generell vor der Möglichkeit, dass das Sicherheitsunternehmen (womöglich auch unwissentlich) von russischen Hackern und Geheimdiensten ausgenutzt werden könnte.

Kaspersky beklagt den "Krieg"

Eugene Kaspersky, Gründer, Chef und natürlich auch Namensgeber des Unternehmens, hat nun in einem offenen Brief geantwortet. Kaspersky schreibt zunächst, dass in den letzten drei Wochen der "Krieg"(!) in der Ukraine die Welt, wie wir sie kannten, dramatisch verändert habe: "Familien, Beziehungen und Partnerschaften wurden in der Ukraine, in Russland, in Europa und in der ganzen Welt auf dramatische Weise erschüttert."

Im Visier russischer Hacker
Infografik: Im Visier russischer Hacker

Auch sein Unternehmen sei betroffen, so der 56-Jährige, unter anderem aufgrund der BSI-Warnung. Doch hierzu findet Kaspersky scharfe Worte: "Ohne auf Details einzugehen kann ich sagen, dass diese Behauptungen reine Spekulationen sind, die durch keine objektiven Beweise oder technischen Details gestützt werden. Der Grund dafür ist einfach. In der 25-jährigen Geschichte Kasperskys gab es nie einen Beweis für einen Missbrauch unserer Software zu schädlichen Zwecken. Und das trotz unzähliger Versuche, einen Beweis dafür zu finden."

Kaspersky meint, dass er deshalb nur zum Schluss kommen könne, dass die BSI-Entscheidung auf politischen Gründen beruhe: "Ich empfinde es als traurig, ja ironisch, dass die Organisation, die sich für Objektivität, Transparenz und technische Kompetenz einsetzt - im Übrigen dieselben Werte, die Kaspersky seit Jahren ebenso wie das BSI und andere europäischen Regulierungsbehörden und Branchenverbände unterstützt -, sich buchstäblich über Nacht dazu entschlossen hat oder gezwungen wurde, diese Prinzipien aufzugeben."

Er geht auch noch weiter und bezeichnet die Entscheidung des BSI als "ungerechtfertigten Angriff auf mein Unternehmen und insbesondere auf die Kaspersky-Mitarbeiter in Deutschland und Europa". Laut Kaspersky seien dadurch auch "Arbeitsplätze tausender deutscher IT-Sicherheitsexperten" in Gefahr.

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