Handwerk: Nicht genug Leute für Energiewende und Digitalisierung

Christian Kahle, 07.03.2022 14:41 Uhr 20 Kommentare
Die Verbände des Handwerks haben von der Bundesregierung mehr Unterstützung gefordert, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Denn sonst sind verschiedene Zukunftsprojekte schlicht nicht umsetzbar, selbst wenn das Geld da wäre. Massenhaft fehlende Leute meldet beispielsweise das Elektrohandwerk. dessen Branchenverband ZVEH schätzt den aktuellen Bedarf an Fachkräften auf 81.000 Beschäftigte im Bundesgebiet. Und in dieser Rechnung sind die zusätzlichen Aufgaben, die angesichts einer beschleunigten Energiewende und des Wunsches nach stärkerer Digitalisierung Deutschlands anfallen, noch nicht enthalten. Daher dürfte der tatsächliche Bedarf in den kommenden Jahren noch deutlich höher liegen.

Die Branche weißt vorsorglich auch Vorwürfe zurück, dass man selbst nicht genug zur Lösung des Problems tun würde. ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jacobi erklärte gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung, dass man die Zahl der Auszubildenden über die letzten Jahre hinweg immer weiter gesteigert habe. Auch Studienabbrecher seien integriert worden. "Die Elektrohandwerke haben, was ein Wachstum aus eigener Kraft angeht, das Ende der Fahnenstange erreicht", sagte er.

Sanitär kaum anders

Kaum anders sieht es in anderen Bereichen aus. Für den Zeitraum bis 2030 beziffert Michael Hilpert, Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), die Zahl der fehlenden Fachkräfte auf 60.000. Wie das Ziel der Bundesregierung, bis dahin rund sechs Millionen Wärmepumpen in Deutschland zu installieren, mit dem derzeitigen Bestand erreicht werden könnte, ist unklar.

In der Branche sind derzeit 38.800 Auszubildende zu zählen, nach 35.000 im Vorjahr. Das Ergebnis ist nicht nur, dass die Monteure die benötigten Arbeiten kaum noch schaffen. Die Situation führt auch dazu, dass der Branche im vergangenen Jahr rund 9 Milliarden Euro Umsatz entgangen sind, weil viele Aufträge gar nicht angenommen werden konnten.

Entsprechend steigt der Druck auf die Politik, nicht nur Ziele zu benennen, sondern auch dabei zu helfen, diese umsetzbar zu machen. So wird von den Handwerksverbänden unter anderem gefordert, dass die so genannte Westbalkanlösung nicht nur entfristet, sondern auch auf andere Länder ausgeweitet wird. Diese ermöglicht eine relativ unkomplizierte Einwanderung, wenn ein entsprechender Arbeitsvertrag vorliegt. Bisher gilt die Regelung auch nur für 25.000 Menschen, eine Verdoppelung wäre aus Sicht des Handwerks wünschenswert. Darüber hinaus schlägt man vor, dass das Fachkräfteeinwanderungsgesetz dahingehend geändert wird, dass berufserfahrene Bauarbeiter auch ohne formale Qualifikation in Deutschland arbeiten können.

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