SLS-Mondrakete der NASA: Jeder Start wird 8x teuer als geplant

Christian Kahle, 02.03.2022 15:11 Uhr 10 Kommentare
Das neueste Raketen-System der NASA ist zwar beeindruckend, wird auf der Kostenseite aber auch sämtliche Dämme zum Einsturz bringen. Jede Mission mit dem Space Launch System (SLS) wird wesentlich teurer, als die anfänglichen Planungen nahelegten. Dies zumindest haben Analysen des Generalinspekteurs der NASA ergeben, dessen Aufgabe die Kontrolle der Tätigkeit der Behörde ist. "Wir haben berechnet, dass die ersten vier Artemis-Missionen jeweils 4,1 Milliarden Dollar pro Start kosten werden - ein Preisschild, das wir für nicht tragbar halten", schilderte Paul Martin die Ergebnisse seiner Kontrolltätigkeit laut einem Bericht des Senders CNBC vor einem Unterausschuss des US-Parlaments.

Artemis ist die Bezeichnung für das gesamte neue Mondflug-Programm der NASA. Dieses setzt sich aus zwei Kernkomponenten zusammen: Dem SLS, das hauptsächlich vom Flugzeug-Konzern Boeing gebaut wird, und dem Orion-Raumschiff von Lockheed Martin, mit dem die Astronauten zum Mond und zurück fliegen sollen.

NASA Space Launch System (SLS)

Als die SLS-Entwicklung im Jahr 2012 begann, sahen die Planungen vor, dass die Rakete ab dem Jahr 2017 zur Verfügung steht und dass ein Start rund 500 Millionen Dollar kosten wird. Die Arbeiten an der großen Trägerrakete haben sich aber nicht nur massiv verzögert, so dass erst jetzt die ersten Tests im Kalender stehen, auch die Kosten sind laut Martin explodiert - und das betrifft nicht nur die Entwicklung, sondern eben auch den konkreten Betrieb.

Schlechte Wertung

Die Entwicklungskosten sind laut Martin in den 4,1 Milliarden Dollar pro Start noch gar nicht enthalten. Der genannte Preis bezieht sich nur auf den jeweiligen Bau der Rakete und die Durchführung aller Arbeiten bis zum Start der jeweiligen Mission.

"Es ist natürlich ein anspruchsvoller Entwicklungsprozess, aber wir haben eine sehr schlechte Performance bei den Auftragnehmern von Boeing gesehen - eine schlechte Planung und eine schlechte Ausführung", sagte Martin. "Wir haben gesehen, dass die Kosten-Plus-Verträge, die die NASA zur Entwicklung des kombinierten SLS- und Orion-Systems verwendet hat, eher den Auftragnehmern als der NASA zum Vorteil gereichten, und auf Seiten der NASA haben wir ein schlechtes Projektmanagement und eine schlechte Vertragsüberwachung gesehen."

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