Ukraine: Die Spiele-Branche ist massiv vom Angriffskrieg betroffen

Christian Kahle, 25.02.2022 09:03 Uhr 23 Kommentare
Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine trifft auch die Spielebranche hart. Denn das Land ist eines der Zentren der europäischen Gaming-Industrie, in dem viele Anbieter ansässig sind oder wichtige Niederlassungen unterhalten. In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Ukraine eine blühende Gaming-Branche entwickelt. Es gibt über 70 Unternehmen in dem Bereich, die über das gesamte Land verteilt sind. Die Spanne reicht hier von kleinen Studios bis hin zu großen Anbietern und es werden im Grunde alle Plattformen von Mobile über den PC bis zur Konsole beliefert. Viele der Firmen und ihrer Vertreter haben sich in den letzten Stunden und Tagen zu Wort gemeldet und auf vielfältige Weise um Hilfe gebeten, wie unter anderem die Kollegen von WindowsCentral zusammengetragen haben.

Eines der bekanntesten Unternehmen aus der Ukraine ist wohl GSC Game World, die für die Entwicklung der Stalker-Serie verantwortlich sind. "Unser Land wachte mit dem Geräusch von Explosionen und Waffenfeuer auf, ist aber bereit, seine Freiheit und Unabhängigkeit zu verteidigen ... Wir wenden uns daher an alle unsere Kollegen in der Gaming-Industrie, Spieler, Blogger oder jeden, der diesen Beitrag in seinem Newsfeed sieht: Teilt dies, steht nicht abseits", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens, das auch gleich die IBAN eines Spendenkontos des ukrainischen Militärs teilt.

Ähnliche Stimmen gibt es in großer Bandbreite. "Unsere Armee ist bereit, unsere Nation ist bereit, und wenn ein kranker alter Mann beschließt, einzumarschieren, wird er rausgeschmissen", sagte Andrew Prokhorov von 4A Games, dem Studio hinter der Metro-Reihe. "Ich hoffe auf Frieden", fügte er hinzu, "aber wenn etwas Schlimmes passiert, wird der Sieg auf der Seite der Guten sein".

Vielfältige Hilfen

Seitens des Publishers Saber Interactive, der 4A vor einiger Zeit übernommen hat, zeigte man sich zuversichtlich, dass die Arbeit an aktuellen Projekten weitergeht, da viele Entwickler ohnehin nicht in den Büros in Kiew arbeiten. "Wir sind bereit, unsere Mitarbeiter nach Kräften zu unterstützen und setzen uns weiterhin für das körperliche und seelische Wohlergehen aller unserer Mitarbeiter ein und stehen täglich mit der Studioleitung in Kontakt, um die Entwicklung der Situation zu verfolgen", hieß es in einer Stellungnahme.

"Wir können nicht einfach zusehen. Russland greift unser Heimatland an und leugnet die Souveränität der Ukraine. Wir versuchen, in Sicherheit zu bleiben, aber das ist Krieg, da gibt es keine zwei Möglichkeiten", hieß es in einer Erklärung von Frogwares, aus deren Hause mehrere Sherlock Holmes-Games und The Sinking City kommen. "Wir rufen alle auf, Putin zu zwingen, sich aus unserem Land zurückzuziehen."

Und auch Gameloft, ein großer Entwickler von Mobile-Games, der zwei Studios in der Ukraine betreibt, stellte sich solidarisch hinter seine Beschäftigten in dem Land. Man beobachte die Entwicklung und stehe im Kontakt zu den Niederlassungen. Eben solche Worte kamen von Ubisoft, die in Kiew einen großen Standort betreiben, an dem Qualitätssicherung und unterstützende Arbeiten geleistet werden.

Für direkte Hilfen wurde von Ukrainern eine Liste an möglichen Organisationen und Projekten ins Netz gestellt, die unterstützt werden können. Hier wird auch darauf hingewiesen, dass es ebenso wichtig ist, ukrainische Publikationen wie The Kyiv Independent zu unterstützen, damit im Zuge der Angriffe letztlich nicht nur eine Berichterstattung aus russischer oder ausländischer Perspektive erfolgt. Und auch von außerhalb kamen bereits Hilfszusagen. Die polnischen 11 Bit Studios wollen beispielsweise die Gewinne, die in der nächsten Zeit vom Spiel This War of Mine generiert werden, direkt an das Ukrainische Rote Kreuz überweisen.

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