Nicht mehr geheim: Das erste Ziel, das James Webb ins Visier nimmt

John Woll, 31.01.2022 19:25 Uhr 6 Kommentare
HIGHLIGHT
Die NASA macht Schluss mit der Geheimniskrämerei rund um eine echte Premiere für James Webb. Ein Stern im "Großen Wagen" darf sein Licht als erster auf das fortschrittlichste Weltraum-Teleskop der Geschichte werfen. Beim ersten Blick geht es aber nicht um Wissenschaft.

Der erste Stern, für den James Webb seine Augen öffnet

Seinen Parkplatz im All hat James Webb schon erreicht, nach der spannenden Reise und unzähligen nervenaufreibenden Schritten tritt das Teleskop jetzt in eine ganz neue Phase ein. Wie die NASA mitteilt, ist mit der Aktivierung der Hochleistungsantenne in der vergangenen Woche die Voraussetzung für einen schnellen Datenstrom zwischen der Erde und Webb geschaffen - bisher war die Kommunikation auf einer deutlich beschränkteren Funkfrequenz erfolgt. Jetzt ist der Weg frei für eine weitere spannende Premiere: das erste Licht.

Bisher hatte die NASA noch Stillschweigen über das erste Ziel bewahrt, auf das man James Webb ausrichten will. Wie das Team rund um das Teleskop jetzt mitteilt, wird sich der erste Blick auf die Sternkonstellation "Großer Bär" richten - die sieben hellsten Sternen des Sternbildes sind als "Großer Wagen" in jeder Nacht prominenter Teil des Nordhimmels. "Der erste Stern, den Webb sehen wird, ist HD 84406, ein sonnenähnlicher Stern in etwa 260 Lichtjahren Entfernung", so die NASA zu dem genauen Ziel.

James Webb Space Teleskop

Wissenschaft kommt später

HD 84406 wurde dabei nicht aus wissenschaftlichem Interesse ausgewählt. "Es ist ein perfektes Ziel für Webb, um technische Daten zu sammeln und mit der Spiegelausrichtung zu beginnen", so das Team. Die Ingenieure nutzen den hellen Stern, um die 18 sechseckigen Spiegelsegmente in einem langwierigen Prozess auf den Sekundärspiegel auszurichten. Der Aufbau jedes Segments verfügt dabei über einen extrem feine Justierbarkeit, die Anpassungen im Bereich eines Zehntausendstels des Umfangs eines menschlichen Haares möglich machen.

Der Prozess klingt dann überschaubar, dauert aber seine Zeit: James Webb fertigt Bilder an, darauf zeigt sich, wie weit die einzelnen Segmente von ihrem Fokuspunkt abweichen. Computeralgorithmen ermitteln dann, wie die einzelnen Spiegel bewegt werden müssen. Eines der wichtigsten Prinzipien bei dieser Tätigkeit: Geduld. Die Schritte müssen unzählige Male wiederholt werden, die Spiegelausrichtung wird damit fast fünf Monate in Anspruch nehmen. Danach wendet sich das Teleskop aber auf jeden Fall von HD 84406 ab. Der Stern ist für das fertige Instrument schlicht "zu hell".

Hubble-Nachfolger: Das James-Webb-Weltraumteleskop im Detail
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