Fight Club: Kultfilm bekommt in China ein systemkonformes Ende

Christian Kahle am 25.01.2022 17:27 Uhr
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Unter chinesischen Filmfans herrscht aktuell einige Aufregung. Denn das vom Internet-Konzern Tencent betriebene Streaming-Portal bietet den Kult-Film "Fight Club" einfach mit einem komplett geänderten Ende an, das der Intention des Originals völlig entgegensteht.

Die geänderte Fassung passt den chinesischen Zensoren natürlich besser ins Konzept - da schreckt man dann vor einer weitgehenden Entstellung eines Kunstwerkes auch nicht zurück. Denn der Film, den David Fincher im Jahr 1999 in die Kinos brachte, endete letztlich mit einer anarchistischen, antikapitalistischen Botschaft, als die Wolkenkratzer der großen Banken gesprengt werden, um die Schulden der Bevölkerung zu löschen.

In der bei Tencent gezeigten Fassung endet die filmische Darstellung allerdings mit dem Tod Tyler Durdens. Anschließend wird eine Schrifttafel eingeblendet, auf der steht: "Die Polizei hat den Plan schnell durchschaut und alle Verbrecher verhaftet, so dass die Explosion der Bombe verhindert werden konnte." Weiterhin sei der Protagonist in psychische Behandlung gebracht worden, die er 2012 geheilt - also als nun nutzvoller Teil der Gesellschaft - verlassen hat. Laut der Schrift wird dabei allerdings Tyler in die Psychiatrie überstellt, wobei dieser aber eigentlich nur eine abgespaltene Persönlichkeit der eigentlichen Hauptfigur ist, deren Namen aber nie genannt wird.

Zensur bleibt nicht unentdeckt

Dass am Ende des Films der Staat triumphiert und damit die ursprüngliche Geschichte komplett umgedreht wird, stößt Nutzern in China ziemlich sauer auf - denn natürlich haben dort viele Nutzer das Original längst aus irgendwelchen anderen Quellen bezogen und angeschaut. Entsprechend gibt es sogar in den Kommentaren auf der Streaming-Plattform zahlreiche kritische Meldungen.

"Fight Club auf Tencent Video zeigt uns, dass sie nicht nur Szenen löschen, sondern auch die ganze Handlung ändern", schreibt ein User. Dies sei schon sehr unverschämt. Allerdings ist unklar, ob Tencent selbst oder staatliche Zensoren für die Sache verantwortlich waren. Und die Kritik greift hier auch besonders aufgrund der Plumpheit der Änderungen. In anderen Fällen haben aber auch schon die US-Filmkonzerne selbst angepasste Varianten in die chinesischen Kinos gebracht - das ging soweit, dass selbst ein Film wie "Bohemian Rhapsody" von Hollywood selbst so verändert wurde, dass die Homosexualität Freddie Mercurys nicht weiter thematisiert wurde.

Nutzer hierzulande sind natürlich nicht direkt von dieser Geschichte betroffen. Allerdings strebt Tencent schon seit einiger Zeit nach einer internationalen Expansion und will sich vor allem in der Gaming-Industrie festsetzen.

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