Wer schnelles Internet hat, engagiert sich seltener ehrenamtlich

Christian Kahle am 25.01.2022 13:30 Uhr
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Die Verbesserung der Breitband-Versorgung scheint aus gesellschaftlicher Perspektive keineswegs nur positive Effekte zu haben, wie es oft angenommen wird. Das bürgerschaftliche Engagement geht nämlich laut Daten aus Großbritannien zurück.

Es sieht fast so aus, als würde das wachsende nutzbare Angebot, das mit schnelleren Internet-Anbindungen zur Verfügung steht, die Menschen davon abhalten, sich in der Gesellschaft einzubringen. Der Effekt beschränkt sich dabei nicht auf bestimmte Bereiche, sondern zieht sich im Grunde durch alle möglichen Arten der ehrenamtlichen Arbeit, wie aus einem Bericht der Tageszeitung The Guardian hervorgeht.

Laut einer Untersuchung der Cardiff University und der Sapienza Universität aus Rom, in die Daten von rund 450.000 Menschen einflossen, zeigte sich, dass das ehrenamtliche Engagement in der direkten Entfernung rund um Knotenpunkte von Telekommunikations-Unternehmen, an denen schnellere Internet-Anbindungen bereitstanden, um über 10 Prozent geringer ausfiel. Die Beteiligung in politischen Parteien ging in einem 1,8-Kilometer-Umkreis um die Netzknoten sogar um 19 Prozent zurück. Und auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad war hier schlechter als in Vergleichsregionen.

Vorschub für den Populismus

Der Effekt ließ sich aber nicht nur anhand der Entfernungen erkennen. Auch die generelle Steigerung der Bandbreite von 2005 bis 2018 ging mit einem sinkenden ehrenamtlichen Engagement einher, während die Zeit der aktiven Nutzung des Internets stieg. Interessant dabei: Auf die Kontakte der Menschen zu Familie und direkten Freunden konnte keine Wirkung verzeichnet werden.

Die Autoren der Studie stellen auch die These in den Raum, dass dieses Phänomen dazu beigetragen haben könnte, den Populismus zu befördern. Denn die Beteiligung der Menschen an zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen ist auch eine "Schule der Demokratie", in der die Menschen die Zusammenarbeit erlernen. Wenn sich dieser Ansatz erhärtet, wäre es letztlich wichtig, nach geeigneten Alternativen zu suchen oder Wege zu finden, das Engagement trotzdem wieder zu stärken.

Siehe auch: Microsoft: 53 Mio. Euro für Ehrenamtliche - und es kommt noch mehr
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