ÖPNV-Projekt gestoppt: Betrieb von Wasserstoff-Bussen viel zu teuer

Christian Kahle am 12.01.2022 15:24 Uhr
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In bestimmten Kreisen wird Wasserstoff als die große Lösung angepriesen, um vor allem einen Umstieg auf vorhandene batterieelektrische Mobilitätslösungen zu vermeiden. In der Praxis zeigt sich nun allerdings, dass die vermeintliche Alternative zu teuer ist.

In der südfranzösischen Stadt Montpellier hatte die bisherige Kommunalregierung ein Projekt für die Umstellung des öffentlichen Nahverkehrs auf Busse mit Wasserstoff-Brennnstoffzelle vorangetrieben. Über 50 Fahrzeuge sollten angeschafft werden und die Stadt wollte auch eine eigene Elektrolyse-Anlage mit Solarkraftwerk betreiben, in der der Treibstoff hergestellt werden sollte.

Nachdem nun aber seit etwas mehr als einem Jahr eine neue Stadtvertretung gewählt ist, wurde das Projekt gestoppt. Denn eine tiefgehende Prüfung habe ergeben, dass man zuvor wohl vor allem das Prestige im Blick hatte, eines der größten kommunalen Wasserstoff-Vorhaben zu entwickeln. Die Kosten seien da schlicht ignoriert worden, wie aus einem Bericht der Zeitung La Tribune hervorgeht.

Auch die Busse sind teurer

Als man nun nachrechnete, kam man auf jährliche Betriebskosten von 3 Millionen Euro. Als Vergleichswert hat man eine Ausschreibung für vergleichbare Busse mit einem Akku-basierten Elektroantrieb herangezogen, bei der lediglich rund 500.000 Euro pro Jahr veranschlagt wurden. Selbst wenn sich in der realen Praxis dann sicherlich noch einige Schwankungen ergeben, ist doch ziemlich eindeutig, dass die Wasserstoff-Technologie viel zu teuer wäre.

Hinzu kommt, dass auch die Busse selbst deutlich teurer wären - hier ist von einem Aufschlag zwischen 150.000 und 200.000 Euro pro Stück die Rede. Daher hat die Stadtverwaltung nun entschieden, sich lieber für die günstigeren E-Busse zu entscheiden. Zumal man mit diesen die Verkehrswende generell voranbringen und einen ÖPNV zum Nulltarif anbieten will, um dessen Nutzung zu fördern.

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