1 Mio. Hirnzellen vernetzen sich mit Elektroden und spielen Pong

Christian Kahle, 21.12.2021 12:47 Uhr 4 Kommentare
Das Biotechnologie-Startup Cortical Labs hat es geschafft, "Mini-Gehirne" aus menschlichen Nervenzellen zu konstruieren und mit einem Computer-System zu verbinden. Diese können selbstständig lernen und sind dabei effizienter als bekannte KI-Systeme. Laut eines Berichtes des US-Magazins New Scientist sind jeweils 800.000 bis 1 Million Nervenzellen beteiligt, die sich untereinander ebenso vernetzen, wie man es aus dem menschlichen Organismus kennt. Allerdings besteht unser Gehirn zum Vergleich aus rund 100 Milliarden Nervenzellen, so dass hier noch ein gewaltiger Unterschied in Sachen Leistungsfähigkeit besteht.

Die Zellen sitzen in einer Nährlösung auf einem Array normaler Mikro-Elektroden, mit denen die schwachen elektrischen Signale, mit denen die Zellen kommunizieren, gemessen und an einen Computer weitergeleitet werden können. Auch die Versorgung der Zellen mit neuen Informationen erfolgt über diese Schnittstelle.

Die Nervenzellen wurden auf diesem Weg quasi mit ähnlichen Aufgaben konfrontiert, wie man sie auch einem neuronalen Netzwerk stellen würde, aus dem sich moderne KI-Anwendungen zusammensetzen. Dabei setzt man auf die Selbstlern-Fähigkeit der Verbindungen in dem Netzwerk. So brachte man dem System beispielsweise bei, eine einfache Version des Spieleklassikers Pong zu bestreiten.

Beim Lernen zugucken

Dabei zeigte sich, dass das System das Game zwar nicht so schnell durchschaut wie ein menschlicher Nutzer, doch werden verschiedene KI-Systeme, wie sie heute zum Einsatz kommen, durchaus überholt. "Das Erstaunliche daran ist, wie schnell es lernt, in fünf Minuten, in Echtzeit", sagte Brett Kagan, Forschungschef bei Cortical Labs, gegenüber dem Magazin. "Das ist wirklich eine erstaunliche Sache, die die Biologie leisten kann."

Damit hat das Startup einen ersten wichtigen Schritt gemacht. Die Firma hat es sich zum Ziel gesetzt, bioligisches Computing bis zu einer kommerziell nutzbaren Reife zu bringen. Bis das der Fall ist, wird aber wohl noch einige Zeit ins Land gehen.

Siehe auch:
4 Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2022 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies