In den Säure-Wolken: Neue spannende Theorie zum Leben auf der Venus

John Woll, 21.12.2021 12:05 Uhr
Die Umweltbedingungen auf der Venus lassen Leben unmöglich erscheinen. Doch jetzt will eine neue Studie die Hoffnung einiger Forscher stützen, dass es zwischen hohem Druck, brütender Hitze und giftigen Wolken doch einen bewohnbaren Platz auf unserem Nachbarn gibt.

Eine neue Studie begibt sich auf die Lebenssuche

Die Oberfläche ist heiß genug, dass Blei schmilzt, die Atmosphäre ist mit Schwefelsäure angereichert: Die Venus als verbranntes Ödland zu bezeichnen ist wohl noch eine recht freundliche Beschreibung. Und trotzdem gibt es seit langem hartnäckige Theorien, dass Leben auf unserem Nachbarplaneten eine Nische gefunden haben könnte. Eine neue Studie, die in Zusammenarbeit des MIT sowie der Cardiff University und Cambridge University entstand, will für diese Hoffnung jetzt neue Schützenhilfe leisten.

Ihren Anfang nimmt die neue wissenschaftliche Arbeit bei einem alten Rätsel: In der Venus-Atmosphäre kommt es zu chemischen Anomalien, die nach unserem Verständnis nicht mit den uns bekannten Prozessen erklärt werden können. Im Zentrum des Interesses steht hier das Vorhandensein von Ammoniak, auf das es schon in den 70er Jahren Hinweise gab.

Und auch das Forscherteam stellt das Gas jetzt in den Mittelpunkt einer neuen Idee: Welche chemischen Wechselwirkungen könnte Ammoniak in der Atmosphäre der Venus auslösen? Die Antwort laut Bericht des MIT: In aufwendigen Modellierungen zeigt sich, dass das Gas in der Atmosphäre für eine "Kaskade chemischer Reaktionen" verantwortlich sein könnte, die wiederum sehr gut zu den beobachteten Anomalien passen.

Eine bewohnbare Tasche in den Wolken

Besonders spannend sind dann aber die Schlussfolgerungen, die die Forscher aus ihrem chemischen Theorie-Ballett in der Venus-Atmosphäre ziehen: Das Ammoniak erzeugt demnach "Taschen", in denen die Schwefelsäure neutralisiert wird. Die plausibelste Erklärung für die Entstehung des Gases sehen die Forscher wiederum in biologischen Prozessen, nichtbiologische Quellen wie Blitze oder Vulkanausbrüche seien eher unwahrscheinlich.

Aus dieser Reihe an Bedingungen ergibt sich eine faszinierende Theorie: "Die Chemie deutet darauf hin, dass sich das Leben auf der Venus seine eigene Umgebung schaffen könnte", so die Forscher. Die Studien-Co-Autorin Sara Seager ergänzt: "Die Venus hat anhaltende, unerklärliche atmosphärische Anomalien, die unglaublich sind. Das lässt Raum für die Möglichkeit von Leben."

Siehe auch:

Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2022 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies