Apple: Umstrittener Kinderporno-Scanner in aller Stille verschwunden

Christian Kahle, 16.12.2021 09:54 Uhr 7 Kommentare
Der geplante Fotoscanner in Apples iOS-Plattform scheint erst einmal vom Tisch zu sein. Das Unternehmen hat in aller Stille sämtliche Hinweise auf die Technologie von seinen Webseiten entfernt, was dafür spricht, dass man diese nicht auf den Markt bringen wird. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass iOS von Bildern, die auf iPhones gespeichert werden, Hashes anfertigt und diese mit einer Datenbank abgleicht, in der dokumentierter Kindesmissbrauch protokolliert wird. Sollten mehrere Treffer auf einem Gerät zusammenkommen, wäre dann davon ausgegangen worden, dass der Nutzer kinderpornographisches Material auf seinem Gerät sammelt und das Smartphone hätte sich mit seinem Hersteller in Verbindung gesetzt.

Apple hatte damit argumentiert, dass sein System besonders datenschutzfreundlich konzipiert sei. Bisher gebe es vergleichbare Scanner nur in einer Form, bei der Bilder in der Cloud ausgewertet werden. iOS sollte dies hingegen vollständig auf dem iPhone tun und nur nach Außen Kontakt aufnehmen, wenn sich ein hinreichender Verdachtsfall ergibt.

Kritik wirkt

Trotzdem hatte das Verfahren erhebliche Kritiken hervorgebracht. Denn auch wenn der Alarm nicht bei jedem Treffer direkt anspringen sollte, sorgt doch allein schon die enorme Verbreitung von iOS und die noch weitaus größere Menge an Fotos, die auf den Geräten verarbeitet werden, mit Sicherheit zu einer großen Zahl falscher Hash-Kollisionen. Entsprechend ließe sich erwarten, dass wahrscheinlich regelmäßig völlig unbescholtene iPhone-Nutzer der Sammlung von Missbrauchs-Darstellungen verdächtigt werden. Und bei diesem Thema reicht oft schon ein bekannt gewordener Verdacht, um eine Person sozial völlig ins Abseits zu bringen.

Aufgrund der Kritiken hatte Apple die Einführung der Technologie bereits verschoben und erklärt, dass man erst einmal weiteres Feedback sammeln wolle, bevor man das Verfahren in iOS einbaut. Dass nun sämtliche Hinweise auf den Scanner gelöscht wurden und man sich auch seitens der Konzernsprecher bedeckt gibt, deutet darauf hin, dass das Unternehmen sich wohl mehr oder weniger vollständig von der Sache verabschiedet hat.

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